Auch Singvögel verfallen gegenüber ihren Kindern in Babysprache

5. Juni 2016, 14:07
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Zebrafinken modifizieren ihren Gesang für junge Zuhörer, wodurch diese besser singen lernen

Montreal – Höhere Tonlage, übertriebene Betonung und Melodie, verringertes Sprechtempo und vereinfachte Syntax: Das sind – neben anderen – klassische Elemente der sogenannten Babysprache, in der Eltern gerne mit ihren Kleinkindern kommunizieren. Nun berichten kanadische Forscher, dass Menschen nicht die einzige Spezies sind, die mit ihrem Nachwuchs auf eine besondere Weise kommunizieren.

Forscher um den Neurobiologen Jon Sakata von der McGill University in Montreal zogen einmal mehr den als Modelltier beliebten Zebrafinken (Taeniopygia guttata) heran. Wie bei anderen Singvögeln auch lernen Jungtiere die Vokalisierungen erwachsener Exemplare durch Zuhören und allmählich immer besseres Nachahmen: ein Vorgang, der dem menschlichen Spracherwerb stark ähnelt.

Das Experiment

Für ihre in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlichte Studie verglichen die Forscher zwei Gruppen junger Zebrafinken. Der einen wurde der Gesang von Artgenossen aus dem Lautsprecher vorgespielt, die andere erhielt einen echten Gesangslehrer in Form eines erwachsenen Exemplars vorgesetzt.

Nach einigen Monaten Wartezeit, in der die beiden Gruppen jeweils ihre Gesangskünste trainieren konnten, verglichen die Forscher die Leistungen. Es zeigte sich, dass die Gruppe, die einen Lehrer gehabt hatte, die artüblichen Vokalisierungen deutlich besser meisterte. Damit hatte Sakatas Gruppe die Hypothese belegt, dass soziale Interaktionen den Lernprozess fördern.

Fördermaßnahme

Die eigentliche Überraschung der Studie kam, als die Forscher das aufgezeichnete Tonmaterial näher analysierte. Der gefiederte Lehrer hatte nämlich nicht einfach sein übliches Gesangsrepertoire abgespult, er hatte es für seine jungen Zuhörer modifiziert: Unter anderem war das Tempo geringer, zudem enthielt der Gesang mehr Wiederholungen.

Und die Zielgruppenansprache war offenbar richtig gewählt: Die Jungvögel widmeten dem vereinfachten Gesang höheres Interesse als dem normalen. Die erhöhte Aufmerksamkeit wiederum steigerte den Lernerfolg – die Forscher gehen daher davon aus, dass es sich wie bei der menschlichen Babysprache um eine Taktik handelt, mit der Erwachsene den Spracherwerb ihres Nachwuchses fördern. (red, 5. 6. 2016)

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