Rewe Deutschland stoppt Plastiksackerlverkauf

1. Juni 2016, 11:59
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Österreich verfolgt weiterführende Ziele

Köln/Wien/Wiener Neudorf – Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe stoppt den Verkauf von Plastiksackerln. Dadurch sollen in Deutschland jährlich rund 140 Millionen Sackerl weniger im Müll landen, kündigte der Konzern am Mittwoch an. Österreich wiederum verfolgt weiterführende Ziele.

Erst Ende April hatten sich in Deutschland 260 Einzelhandelsunternehmen nach langem Ringen freiwillig verpflichtet, Geld für die umweltschädlichen Plastiksackerl zu verlangen. Rewe geht nun noch einen Schritt weiter.

Die Selbstverpflichtung soll Deutschland helfen, eine EU-Richtlinie umzusetzen, die den jährlichen Verbrauch von Kunststoff-Tragetaschen bis Ende 2025 auf höchstens 40 Sackerl pro Einwohner senken soll. Das EU-Zwischenziel von 90 Plastik-Taschen pro Person und Jahr für Ende 2019 erfüllt Deutschland bereits. Aktuell benutzt jeder Einwohner Deutschlands im Jahr im Schnitt 71 Sackerln.

Alternativen aus Baumwolle und Jute

Rewe will den deutschen Kunden nun in all seinen Supermärkten Alternativen aus Baumwolle und Jute, aber auch Permanent-Tragetaschen aus Recyclingmaterial, Kartons und Papiertüten anbieten. Restbestände würden in den Märkten aber noch bis Juli verkauft, teilte der Konzern mit. In einer dreimonatigen Testphase hatte das Unternehmen in mehr als 130 Märkten den Verzicht auf die Plastiksackerl ausprobiert.

Ein Großteil der Verbraucher befürworte und akzeptiere den Schritt, fasste der Handelsriese seine Erfahrungen zusammen. Nicht betroffen von dem Bann sind nach Angaben eines Rewe-Sprechers vorläufig die kostenlosen durchsichtigen Plastiksackerl, die an Obst- und Gemüsetheken zu haben sind, es werde aber nach Alternativen gesucht.

Nicht sinnvoll Plastik durch Papier zu ersetzen

In Österreich geht der Konzern gemeinsam mit anderen Unternehmen einen anderen Weg. Im Sinne der Ressourcenschonung werde das vordergründige Ziel verfolgt, nicht nur Plastik-, sondern Einweg-Tragetaschen allgemein zu reduzieren.

"Es macht aus unserer Sicht wenig Sinn, wenn kostenlose Plastik-Tragetaschen durch kostenlose Papier-Tragetaschen ersetzt werden würden. Aus diesem Grund haben wir uns auch für die freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die ab 1. Juli in Kraft tritt, stark gemacht – diese sieht vor, dass Tragetaschen aus allen Materialien nur noch kostenpflichtig abgegeben werden", sagte Konzern-Sprecherin Ines Schurin.

Anfang Mai wurde die Reduktion der Plastiksackerl weit über den Vorgaben der EU-Richtlinie in Österreich bis 2019 bekannt gegeben. Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hatte das Projekt gemeinsam mit Vertretern von Handel und NGOs präsentiert. Der ab Juli 2016 gültige Pakt sieht unter anderem die Halbierung des Tragetaschenverbrauchs von aktuell 50 auf 25 Stück pro Person und Jahr bis 2019 vor. (APA, 1.6.2016)

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