Microsoft: Windows soll künftig auf VR-Brillen laufen

1. Juni 2016, 12:33
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IT-Konzern öffnet "Windows Holographic" für Partner und rechnet mit großer Zukunft für "Mixed Reality"

IT-Riese Microsoft hat am Mittwoch ein Stelldichein auf der Computex 2016 in Taipeh gegeben. Bei dem Auftritt widmete man sich hauptsächlich dem kommenden großen "Anniversary Update" für Windows 10 im Sommer. Die aktuellste Version des eigenen Betriebssystems hat laut Terry Myerson, Vizechef der Abteilung für Windows und Geräte, mittlerweile 300 Millionen aktive Nutzer.

Über 500 verschiedene Geräte unterschiedlichster Formfaktoren und Einsatzzwecke sind bereits erschienen. Ab dem nächsten Geschäftsjahr, das im Juli beginnt, will Microsoft zwei Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um zusätzliches Windows-Marketing zu betreiben. Man sieht eine Chance darin, dass weltweit geschätzt 600 Millionen PCs und Notebooks älter als vier Jahre sind. Hoffnung legt man dabei insbesondere auf Convertibles, den derzeit am schnellsten wachsenden Bereich im PC-Segment.

foto: derstandard.at/pichler
Smarte Notizzettel mit Windows Ink

Biometrischer Login und Stifteingabe

Zwei Zentrale Erweiterungen bekommt Windows mit der Aktualisierung in der Urlaubssaison: Windows Hello und Windows Ink. Ersteres ermöglicht schnellere Nutzerauthentifizierung durch Irisscanner und andere Sensoren. Zweiteres rüstet Windows um neue Features für Stifteingabe auf. Denn die Beliebtheit der "Pens" ist stetig am steigen, erklärt man unter Verweis auf Marktforscher.

Zu den Neuerungen zählen Erweiterungen von Software von Photoshop oder "Smart Sticky Notes", also digitale Klebezettel mit Zusatzfunktionen. Die künstliche Assistentin Cortana kann über Handschrifterkennung verschiedene Informationen wie Flugnummern oder Datumsangaben auslesen und die Bildschirmnotizen etwa in Kalendereinträge oder sortierbare To-Do-Listen verwandeln.

foto: derstandard.at/pichler

Windows Holographic nun auch für Microsoft-Partner

Den größten Teil der Keynote nahm allerdings Windows Holographic ein, jene Plattform, die auf Microsofts Augmented-Reality-Brille Hololens läuft. Mit ihr hat das Unternehmen Großes vor. Sie soll künftig die Basis für eine Vielzahl von "Mixed Reality-Devices" bilden, worunter Microsoft alle Geräte im Bereich Augmented und Virtual Realit versteht. Aus diesem Grund öffnen die Redmonder per sofort das System für ihre Partner. Mittels Universal-App funktioniert übrigens auch schon die Zusammenarbeit zwischen Hololens und der HTC Vive.

Ziel ist es, so erklärt Spartenchef Alex Kipman, dass Dritthersteller eigene Hardware damit umsetzen können. So lassen sich auch Einsatzzwecke weit abseits der Hololens bedienen und auch andere Preispunkte ansteuern. Microsofts Eigenlösung kostet in der Entwicklerversion 3.000 Dollar und ist ein Produkt mit sehr "spezifischen Einsatzmöglichkeiten. Ob und wann es eine Consumer-Variante davon geben wird, lässt das Unternehmen offen. Die primäre Stoßrichtung dürfte allerdings der professionelle Einsatz sein.

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Alex Kipman, "Vater" der Hololens

Hohe Erwartungen

Profitieren sollen Dritthersteller auch davon, dass Windows Holographic auch auf den PC kommt und auf den Windows Store zugreift. Das System ist dabei zwar nicht prozessor-agnostisch, läuft aber auf x86- und ARM-Plattformen. Mehr Details sollen auf der Entwicklerveranstaltung Winhec 2016 folgen.

Die Erwartungen sind durchaus hoch. 2020, zitiert Microsoft abermals Marktforscher, soll es bereits 80 Millionen "Mixed Reality"-Geräte geben. Hololens wird dabei keine dominierende Rolle spielen, meint man beim Hersteller. Man ist vor allem bemüht, die Windows-Plattform möglichst stark zu etablieren. Dass die angesichts spektakulärer Hololens-Vorführungen – auch auf der Computex wurde eine solche geliefert – günstigere Produkte anderer Produzenten dazu führen könnten, dass Leute von der "gemischten Realität" enttäuscht werden, befürchtet man nicht.

windows

Lehrstück

Die frühe Einladung an Dritthersteller dürfte auch eine Lehre aus der anhaltenden Misere von Windows Phone sein, dessen Markt von Anfang an stark von den Lumia-Smartphones geprägt wurde, die zuerst der Partner Nokia herstellte, ehe Microsoft dessen Mobiltelefonsparte schluckte. Einige Dritthersteller versuchten zwar, Fuß zu fassen, nachhaltigen Erfolg konnte bislang aber keiner vorweisen.

Keine Spur vom Surface Phone

Auf Nachfrage im Rahmen der der Keynote folgenden Pressekonferenz äußerte sich Microsoft denn auch zu seinem mobilen Sprössling. Nach wie vor hofft man, dass andere Hersteller hier wieder Aufschwung bringen. Man selbst habe derzeit aber keinerlei neue Geräte anzukündigen. Auch kein "Surface Phone", das damit weiterhin ein ungewisses Dasein als Phantom führt. (Georg Pichler aus Taipeh, 01.06.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reisekosten und die Unterbringung zur Computex werden vom Taiwan Trade Office übernommen.

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