Schleppergeschäft in Serbien blüht

1. Juni 2016, 11:26
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Nach Schließung der Balkanroute verläuft Flüchtlingsbewegung wieder im Verborgenen – Ziel ist meist Ungarn

Belgrad – Nach der Schließung der Balkanroute in Richtung Westeuropa, läuft die Flüchtlingsbewegung durch Serbien wieder zunehmend im Verborgenen. Darauf deutet unter anderem die große Differenz zwischen den offiziellen Flüchtlingszahlen und der von Hilfsorganisationen versorgten Migranten hin.

Täglich würden zwischen 150 und 200 Flüchtlinge nach Serbien einreisen, heißt es etwa vonseiten der Belgrader NGO "Zentrum für Asylhilfe". 70 Prozent von ihnen kämen über Bulgarien, der Rest – trotz geschlossener Grenze – aus Mazedonien. Bis Ende April hätten 2.500 von ihnen die Absicht bekundet, in Serbien um Asyl anzusuchen, erklärte der Leiter des Zentrums, Rados Djurovic, am Mittwoch gegenüber der APA.

Anders klingt das von offizieller Stelle: Aktuell hätte man 100 Asylanträge zu bearbeiten, erklärte Nenad Ivanisevic, Staatssekretär im Arbeitsministerium, kürzlich gegenüber Journalisten. In staatlichen Aufnahmezentren würden sich nur zwischen 300 und 350 Migranten aufhalten.

Kontakt zu offiziellen Stellen meiden

Der Grund liegt wohl darin, dass Schutzsuchende, deren Ziel ein anderes EU-Land ist, jeglichen Kontakt zu offiziellen Stellen meiden. Dafür habe seit Schließung der Balkanroute die Zahl der Schlepper wieder exponentiell zugenommen, sagte Djurovic. Diese Gruppen seien immer rücksichtloser, stellte Djurovic fest. Migranten würden häufig beraubt, verprügelt und misshandelt. Kaum jemand unter den Opfern der Schlepperbanden wäre dann aber bereit, dann auch zur Polizei zu gehen.

Weiter geht der Weg in Richtung Nordwesteuropa dann meist über Ungarn. Aus diesem Grund kündigte die Regierung in Budapest erst am Montag an, ihren bereits jetzt bestehenden Stacheldrahtzaun an der serbischen Grenze weiter verstärken zu wollen. Und erst am gestrigen Dienstag erklärte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ), Österreich müsse seine Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf Ungarn richten: "Wir haben hier hohe Aufgriffszahlen in einer ähnlichen Situation und Entwicklung, wie sie im vorigen Jahr war." (APA, 1.6.2016)

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