"Land der Griller": Gerechtigkeit zwischen Grillhendl und Spanferkel

Ansichtssache1. Juni 2016, 08:00
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Ed Moschitz besuchte die Grillplätze auf der Wiener Donauinsel. Herausgekommen ist ein sehenswertes Panoptikum verschiedener Kulturen und Ansichten – Mittwoch, 21.10 Uhr, ORF 1

Wien – Es gibt zu wenige Toiletten. Ein großes Thema für Alfred und seine Freunde. Der rüstige Wiener verbringt die schönen Sommertage auf der Wiener Donauinsel. Nackt wartet er auf sein Grillhenderl.

foto: orf/orf/felix breisach medienwerkstatt

Aber nicht nur die fehlenden Klos sind für ihn ein Problem. Er sieht es auch nicht gern, dass die Grillplätze von Zuwanderern vom Balkan oder der Türkei so intensiv genutzt werden. Dort gäbe es auch mehr Toiletten als in seinem Nudistenbereich. Er sei ja kein Rassist, sagt er immer wieder. Aber früher sei schon alles besser gewesen.

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foto: orf/orf/felix breisach medienwerkstatt

"Land der Griller" nennt Ed Moschitz seine Reportage, er besuchte die Grillplätze auf der Wiener Donauinsel (Mittwoch, 21.10 Uhr, ORF 1). Wie auch in seinen Am Schauplatz-Sendungen gelingt es Moschitz, Menschen zum Reden zu bringen, ohne sie vorzuführen. Er stellt die richtigen Fragen, trifft den richtigen Tonfall.

So gerät die Reportage zu einem sehenswerten Panoptikum verschiedener Kulturen und Ansichten. Dabei werden auch Zukunftsängste und Rezepte für Integration nicht ausgespart.

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Halil kommt aus der Türkei, fühlt sich aber österreichischer als so mancher Österreicher. Er ist gegen Massenzuwanderung, wählt H.-C. Strache. Dragan (Bild) aus Serbien feiert gemeinsam mit seiner Frau Geburtstag. Gewissenhaft sucht er das richtige Schwein für die Spanferkelgrillerei aus, schließlich sollen alle seine Freunde satt werden. Die Österreicher seien sehr zurückhaltend, sagt er. Trotz Einladung würden sie nicht kommen. Schade, denn gefeiert wird recht ausgelassen.

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foto: orf/orf/felix breisach medienwerkstatt

Harry wiederum weiß die Gastfreundschaft der Serben zu schätzen. "Da hast du sicher keinen Hunger, keinen Durst. Und die Stimmung passt auch". Nur vorm Spanferkel graust ihm ein wenig, ein klassischer Schweinsbraten ist ihm da schon lieber.

Am Ende ist auch Alfred ein wenig versöhnt. Ein neues Mobilklo spielt alle Stückerln. Für ihn auch ein Stück Gerechtigkeit. (ae, 1.6.2016)

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