Gianni Infantino wegen angeblichen Komplotts schwer unter Druck

31. Mai 2016, 18:02
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Fast neuer Fifa-Präsident, ganz alte Schule

Zürich – Fatma Samoura, die am 20. Juni ihre Arbeit als Generalsekretärin des Fußballweltverbandes (Fifa) aufnimmt, hat sich in Zürich ihren künftigen Mitarbeitern vorgestellt. Es sei ihr Ziel, der Fifa dabei zu helfen, "als eine Institution anerkannt zu werden, die verantwortlich geführt wird", sagte die 54-jährige Diplomatin aus dem Senegal.

Gut möglich, dass sie dafür Gianni Infantino loswerden muss, den neuen Präsidenten, der Fatma Samoura auch als Signal dafür nominiert hat, dass die Herrschaft der alten Männer in der Fifa der Vergangenheit angehört. Stimmen die jüngsten Vorwürfe, dann wirkt aber der 46-jährige Schweizer selbst wie ein Relikt aus Joseph Blatters Zeiten. Infantino soll in aller Offenheit den Rücktritt seines Landsmanns Domenico Scala als Chef der Audit- und Compliance-Kommission des Weltverbandes befördert haben.

Scala nahm am 14. Mai Abschied, nachdem der Fifa-Kongress in Mexiko-Stadt einen Passus verabschiedet hatte, der die Autonomie der Kontrollgremien massiv schwächt, da ihre Mitglieder für ein Jahr vom Council, dem Nachfolgegremium des aufgelösten Exekutivkomitees, ernannt und wieder entlassen werden können. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte ein Infantino zugeschriebenes Zitat aus einer Councilsitzung. "Wir schauen, ob es möglich ist, dass er zurücktritt. Wenn er dies nicht tut, werden wir die Delegierten fragen, damit diese Angelegenheit durch den Kongress bewilligt wird", soll der Präsident in Bezug auf Scala von sich gegeben haben.

Infantino dürfte triftige Gründe für die Ablehnung Scalas gehabt haben. Dessen Kommission hatte das Gehalt des Präsidenten auf jährlich zwei Millionen Franken festgelegt. Kommentar Infantinos nach Angaben der "FAZ": "Ich habe diesen Vorschlag nicht akzeptiert. Es war ein Vorschlag, den ich beleidigend fand." Infantino habe zudem das Council über eine Beschwerde Scalas bei der Ethikkommission informiert. Es soll um einen geplanten Hauskauf der Familie Infantino in Zürich für 25 Millionen Franken gegangen sein. Scalas Eingabe sei bei den Ethikern "direkt im Papierkorb" gelandet.

Die Ethikkommission prüft die aktuellen Vorwürfe. Kommt es zu einem Verfahren, wäre Infantino, der am Sonntag erst 100 Tage im Amt ist, massiv geschwächt. Und Fatma Samoura hätte ein echtes Loyalitätsproblem. (sid, lü, 31.5.2016)

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