Die Rechten machen Facebook zum Hatebook

Kolumne31. Mai 2016, 17:34
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Die FPÖ und ihre Hilfstruppen im Netz haben dieser Republik den Krieg erklärt

Bei manchen Themen wird Facebook zu "Hatebook" oder "Crazybook". Zum Beispiel, wenn es um imaginierte Wahlfälschungen zugunsten von Alexander Van der Bellen geht. Da spie das Internet solche Hass- und Halluzinationsorgien aus, dass Heinz-Christian Strache selbst seinen halben Facebook-Account löschen und die Fans zur Mäßigung aufrufen musste.

Nutzt aber nix. Kürzlich postete eine "Stromhexe" folgendes Best of Paranoia: "Es könnte sein, dass eine raffinierte Betrügerbande hier Folgendes macht. Man füllt einen Wahlzettel mit zwei Kreuzen aus. Die eine Farbe löst sich nach 24 Stunden durch ein Funksignal auf. Das einfache Volk hat keinen Zugang zu diesem interaktiven Funk. Nachdem die CIA solche Methoden bewiesen hat, ist es möglich, dass dies der Grund für die vielen ausgestellten Wahlkarten ist."

Diese Post wurde von einer gewissen Tina P. geteilt, einer Wahrsagerin ("Ich hätte Haider retten können!"), mit der sich Strache einige Male getroffen hat ("es ist so etwas wie eine Freundschaft entstanden"). Tina P. verbreitet auch fleißig rechte Verschwörungstheorien im Netz – so wie unzählige andere FP-Freunde und -Funktionäre auch. Hier hat sich schon länger eine hetzerische Subkultur gebildet, die man nicht unterschätzen sollte.

Die Frage ist nur, warum die anderen Parteien diese Stimmungsmache so hilflos über sich ergehen lassen. Warum sie die FPÖ ohne Gegenwehr weiter Verdächtigungen, Verleumdungen und Verschwörungstheorien streuen lassen, ohne energische Propagandaabwehr zu betreiben.

Eine Antwort ist, weil die "alten" Parteien SPÖ und ÖVP das Internet nicht begriffen haben und nicht bedienen können (bei den Grünen und den Neos ist es etwas besser). Eine zweite, bedenklichere, ist, weil sie aus verschiedensten Gründen den Rechten nicht mit aller Klarheit und Härte entgegentreten wollen.

Was Strache, Kickl, Gudenus & Hofer so von sich geben, und in welcher Gesellschaft sie sich befinden, ist in verschiedener Hinsicht einer klaren Reaktion wert.

Während die herkömmliche Politik alle möglichen Anschuldigungen von "Wahlbetrug" über "Hochverrat" bis "Staatsfeind" über sich ergehen lässt, verabsäumt sie, die FPÖ zur Rede zu stellen: Was habt ihr mit einem russischen Oligarchen zu tun, der Treffen mit russischen Faschisten in Wien arrangiert und die EU sprengen will? Was fällt eurem Norbert Hofer ein: "Kosovo gehört zu Serbien", Bosnisch-Serbien soll sich abspalten und Südtirol weg von Italien? So jemand wäre um ein Haar Bundespräsident geworden ("vertritt die Republik nach außen")? Wann hört ihr mit dem Schwachsinn von Chemtrails, Kornkreisen et cetera auf und verbietet eurem Chef, zur Wahrsagerin zu gehen?

Die FPÖ und ihre Hilfstruppen im Netz haben dieser Republik den Krieg erklärt und loten immer neue Grenzen der Unterstellung, der Verunsicherung und der Polarisierung aus. Das verlangt nach entschiedenem demokratischem Dagegenhalten – zunächst aber nach einem Problembewusstsein. (Hans Rauscher, 31.5.2016)

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