Ein ganzer Garten gegen Gelsen

Kolumne7. Juni 2016, 10:40
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Spitzwegerich, Zwiebel oder Erdäpfel – Selbstangebautes hilft sogar gegen Juckreiz und Schwellungen, weiß Gregor Fauma und lacht Stechmücken heuer aus

Endlich gibt es sie, die warmen Nachmittage, an denen es sich so schön in Richtung laue Abende und folglich in die Nacht hinein süffeln lässt. Das Leiberl ist leicht, die Hose kurz und das Kleid schön luftig. Es duftet erst nach Rosen, dann nach Levkojen und letztendlich nach Nachtviolen und Grünem Veltliner. Heimchen zirpen ihr Lied, und Amseln pfeifen ihren Blues. Wir haben es gut. Aber auch andere haben es gut: die Gelsen. Was dem Gartler der Grüne Veltliner, ist der Gelse dessen Blut.

Aber dieses Jahr kann der Gartler über die Gelsen nur lachen. Er nimmt deren Stiche zur Kenntnis, muntert sie mit "Saug, du Luder!" noch auf und begibt sich in seinen Spezialgarten. Dieser ist genau für die Lösung des Gelsenproblems angelegt worden. Zuerst bückt er sich, um ein paar Blätter Spitzwegerich auszureißen. Diesen kaut er kurz an und legt sich den Brei auf den Gelsenstich. Schon setzt die Linderung ein. Ein paar Schritte weiter pflückt er sich eine Zitrone, schneidet diese an und träufelt ein wenig ihres Saftes auf die Stichstelle. Der Juckreiz lässt schon nach. Unter dem Mammutbaum findet er in der Folge einen Melissenbusch.

Ein Blatt Melisse auf den Einstich, und die Haut beruhigt sich wieder. Den Stich am Knöchel, eine Lieblingsstelle der Gelsen, behandelt er mit einer aufgeschnittenen Zwiebel, die er frisch aus der Erde zieht. Dabei fällt ihm auf, dass die Erde recht lehmig ist – na ideal! Er macht den Lehm nass, lässt ihn am anschwellenden Gelsendippel aushärten und abfallen. Der Lehm entzieht dem Einstich das Sekret und hemmt die Schwellung.

Kartoffelkühlung

Jössas, da sind ja auch Erdäpfel vergraben! Schnell ist einer ausgegraben, gerieben und auf den Einstich gedrückt: Die Kartoffel kühlt und zieht das Gift. Für den Dippel auf der Stirn greift der Gartler zu den letzten Gänseblümchen des Jahres, zerreibt ein Blatt davon zwischen den Fingern und drückt es auf den Einstich.

Dennoch versteht er nicht, warum er überhaupt gestochen wurde, hat er doch einen Nelkenigel auf den Tisch gestellt: Dazu wird eine Zitrone mit 20 Gewürznelken versehen, die Gelsen fernhalten soll. Des Gartlers und der Gartlerinnen Gärten gleichen Apotheken, nur dass die wenigsten es wissen. (Gregor Fauma, RONDO, 6.6.2016)

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Die "Do-it-yourself-Naturapotheke" aus dem Maudrich-Verlag geht davon aus, dass gegen alles ein Kraut gewachsen ist, und beschreibt, wie man sich pflanzliche Hausmittel selbst herstellt. Ebenso spannend, wenn auch thematisch enger, ist "Kräuterelixiere" vom Verlag Bacopa.

  • Geriebene Erdäpfel kühlen und ziehen das Gift aus einem Insektenstich.
    illustration: dennis eriksson

    Geriebene Erdäpfel kühlen und ziehen das Gift aus einem Insektenstich.

  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/pleul
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