Wie Schweine bei Gesundheit bleiben

5. Juni 2016, 11:00
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Hanna Koinig erforschte Mechanismen des zellulären Immunsystems bei Schweinen

Früh übt sich, wer Veterinärmedizin studieren will: Schon als junges Mädchen verarztete Hanna Koinig mit Vorliebe ihre Stofftiersammlung. Mit 18 Jahren erfüllte sich die gebürtige Kärntnerin ihren Kindheitstraum an der Vetmed-Uni Wien und erhielt im ersten Jahrgang mit Aufnahmeprüfung einen Studienplatz.

"Mein eigentlicher Plan war immer mich selbstständig zu machen und eine eigene Kleintierpraxis zu gründen", erzählt sie. Die aufkeimende Begeisterung für das Fachgebiet der Immunologie machte ihr dann einen Strich durch die Rechnung. Dabei teilten die wenigsten Studienkollegen ihr Interesse für das vermeintlich abstrakte und wenig praxisrelevante Feld. "Ich hab das aber toll gefunden, wie die Zellen miteinander kommunizieren und eine Strategie entwickeln, um Krankheitserreger abwehren zu können."

In ihrer PhD-Arbeit beschäftigte Koinig sich mit dem erworbenen Immunsystem von Schweinen, jenem Teil des Abwehrsystems, der ein Leben lang dazulernt und auch mit Impfstoffen angesprochen wird. Hier ist besonders das zelluläre Immunsystem spannend, findet Koinig: "Das wird in der Routinediagnostik meist etwas vernachlässigt, weil die Methoden noch nicht so weit sind wie beim humoralen Immunsystem", welches Eindringlinge nicht mit Zellen, sondern unter anderem mit Antikörpern angreift.

Die zelluläre Immunantwort untersuchte sie anhand zweier Infektionserreger, dem porzinen Circovirus Typ 2 (PCV2) sowie dem Schweineinfluenzavirus Typ A. Im Laufe des Projekts lernte Koinig die Herausforderungen der Grundlagenforschung kennen: "Ich habe einige Jahre damit verbracht, nach der falschen Zellpopulation zu suchen. Da muss man als Forscher erkennen, wenn man sich in eine Sackgasse hineinmanövriert hat, und wieder rauskommen." Nach Anpassung ihrer Forschungsweise gelang es ihr schließlich, eine bestimmte Art von T-Helferzellen in Schweinen nachzuweisen, die nach der Impfung gegen die Viren entstanden waren. Dafür wurde sie vergangenes Jahr mit dem Award of Excellence des Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet.

Die 28-Jährige zeigt nicht nur im Verlauf ihrer Doktorarbeit einen Hang zur Ausdauer, sondern auch privat als Läuferin. Bei ihrer großen Leidenschaft, dem Reisen, kommt ihr die aktuelle Arbeitsstelle bei Boehringer Ingelheim entgegen: Im Pharmaunternehmen, das ihr PhD-Projekt durch den Europäischen PCV2-Forschungspreis unterstützte, arbeitet sie in der Tiergesundheit und ist zuständig für die Länder Österreich, Ungarn, Tschechien und die Slowakei, die sie dadurch regelmäßig besucht – "ein Teil meiner Reiselust wird dadurch befriedigt".

Koinig hält zudem Vorträge für praktische Tierärzte, um sie auf dem Gebiet der Immunologie zu schulen, und ist damit wieder näher am tierärztlichen Alltag als im Labor. "Die Haltung der Tierärzte in Bezug auf Immunologie hat sich in den vergangenen Jahren geändert", sagt sie. Das Fachgebiet wird mittlerweile stärker als praxisrelevant wahrgenommen. Auch ihre eigenen Forschungsergebnisse zum zellulären Immunsystem könnten in Zukunft den Weg in die Routinediagnostik finden. "Momentan ist das Gebiet aber eher noch Forschungslaboren vorbehalten." (Julia Sica, 5.6.2016)

  • Hanna Koinig arbeitet beim Konzern Boehringer Ingelheim im Bereich Tiergesundheit.
    foto: rainer ressmann, www.rainerressmann.com

    Hanna Koinig arbeitet beim Konzern Boehringer Ingelheim im Bereich Tiergesundheit.

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