Androsch fordert mehr Geld für "Leuchttürme" im Schulsystem

31. Mai 2016, 15:08
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In jeder Bezirkshauptmannschaft soll eine Schule mit besonders vielen Ressourcen ausgestattet werden, schlägt der ehemalige Initiator des Bildungsvolksbegehrens vor

Wien – Hannes Androsch fordert eine stärkere Förderung von besonders guten Schulen. Diese "Leuchttürme" sollten mit mehr finanziellen Ressourcen, guter Infrastruktur und den besten Lehrern ausgestattet werden, sagte Androsch bei einer Diskussion der Arge Bildung und Ausbildung der österreichischen Forschungsgemeinschaft am Dienstag.

Diese Schulen sollen eine "Sogwirkung" auf das gesamte Bildungssystem entwickeln, sagte der ehemalige Initiator des Bildungsvolksbegehrens. Er verwies dabei auch auf Malmö, wo besonders engagierte Lehrer die schlechtesten Schulen des Landes zu den besten machten. "Dort, wo die Wunden sind, muss man Leuchttürme errichten." Er schlug vor, dass es in jeder Bezirkshauptmannschaft eine solche Schule geben solle.

Aktionismus vermeiden

Zum Thema "Bildung und Ausbildung: Realität und Vision" diskutierten Schüler-, Eltern-, Studierendenvertreter darüber, wie die vielen Vorschläge der Bildungsforschung tatsächlich in die Realität umgesetzt werden könnten. Es gebe zwar sehr viele Aktivitäten und Vorschläge zur Bildungsreform, sagte Christiane Spiel, Leiterin der Arge Bildung und Ausbildung. "Wir treiben damit die Politik aber in einen Aktionismus." Das gelte es, mit konkreten Vorschlägen zu vermeiden.

Mit auf dem Podium sollte eigentlich auch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid sitzen, die zwar die Tagung am Montag eröffnete, ihre Teilnahme am Dienstag aber kurzfristig absagte. So konnte Bundesschulsprecher Maximilian Gnesda der neuen Ministerin seine Wünsche nur ausrichten. Es müsse einen "Schulterschluss" der verschiedenen Interessengruppen und Wissenschafter geben, die sich konstruktiv in die Arbeit der Regierung einbringen sollten, sagte der Schüler. Derzeit herrsche in der Bildungspolitik eine Visionslosigkeit ohne Masterplan.

Betroffene einbeziehen

Ähnlich argumentierte Lehrergewerkschafter Paul Kimberger: "Solange die Betroffenen nicht in die Bildungsreformgruppen eingebunden werden, wird es nicht gehen." Er warnte davor, Reformen zu schnell umzusetzen, sodass sich Lehrer darauf nicht ausreichend vorbereiten könnten. Passiert sei das etwa bei der Neuen Mittelschule.

Magdalena Goldinger, Generalsekretärin der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) und Lehramtsstudentin, vermisst an der derzeitigen Reformdebatte eine Diskussion darüber, welche Grundfertigkeiten österreichische Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn können sollen. Erst wenn man sich darauf geeinigt habe, könnten die nächsten Reformschritte passieren. (koli, 31.5.2016)

  • Das Bildungssystem braucht Leuchttürme, sagt Hannes Androsch und meint damit besonders gute Schulen.
    foto: dpa/daniel reinhard

    Das Bildungssystem braucht Leuchttürme, sagt Hannes Androsch und meint damit besonders gute Schulen.

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