Warum die Rekordjäger der Meere besonders gefährdet sind

1. Juni 2016, 16:03
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Schweinswale jagen nahezu Tag und Nacht und kommen dabei auf eine Erfolgsrate von 90 Prozent. Doch genau das macht sie auch vulnerabel, wie Forscher nun berichten

Aarhus/Hannover – Schweinswale zählen zu den kleinsten und am weitesten verbreiteten maritimen Säugetieren: Die sieben Arten der Familie kommen in allen Ozeanen der Erde, manche auch in Flüssen vor. Aufgrund ihrer geringen Größe von etwa eineinhalb Metern und einem Gewicht von durchschnittlich 50 Kilogramm, müssen sie vor allem in kalten Gewässern reichlich Nahrung zu sich nehmen, um ihre Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.

Bisherige Studien mit Sendern ließen aber darauf schließen, dass Schweinswale eher unregelmäßig fressen. Doch das passt nicht ganz zu den Mageninhalten gestrandeter Tiere, die oft aus Unmengen kleiner Fische bestehen. Nun berichtet ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Fachblatt "Current Biology", dass Schweinswale viel aktiver sind als angenommen: Sie jagen rund um die Uhr kleine Fische mit weniger als fünf Zentimetern Körperlänge.

Extremräuber

Demnach kommen sie auf etwa 3000 Fische am Tag, das entspricht einer Erfolgsrate von über 90 Prozent. Schweinswale gehören damit zu den erfolgreichsten bekannten Raubtieren der Welt. Das verdanken sie der Echoortung: Sie senden Schallwellen aus, die von der Umgebung reflektiert werden. Kommt das Echo zurück, erhalten sie ein Bild der Umgebung. Für ihre Untersuchungen statteten die Forscher nun Schweinswale mit Sendern aus, um Schallwellen und Echo bei der Jagd aufzunehmen.

So ließ sich messen, wie häufig die Tiere auf Fischfang gingen, welche Größe die Beutetiere hatten und ob sie entkommen konnten. "Das Jagen in freier Wildbahn zu studieren ist wichtig für unser ökologisches Verständnis, aber es ist auch eine Herausforderung – es ist schwierig gleichzeitig zu erfassen, was der Jäger und was das Beutetier macht. Unsere Studie untersucht erstmals simultan, wie ein marines Säugetier jagt und wie häufig es erfolgreich ist", sagte Erstautorin Danuta Wisniewska von der der Universität Aarhus.

Gefahrenquelle Mensch

Koautor Mark Johnson von der Universität St. Andrews in Schottland entwickelte die Sender, die dafür verwendet wurdent: "Der Trick war, den Echolotschall abzuhören, den die Schweinswale nutzen, um ihre Umgebung zu erfassen. Die Tiere erzeugen etwa hundert Klicks pro Sekunde, wenn sie sich ihrer Beute nähern. Der reflektierte Schall gibt uns unglaublich genaue Informationen darüber, was die Beutetiere machen."

Die Daten sollen aber vor allem auch Aufschluss darüber geben, wie dichter Schiffsverkehr, Fischerei, Ölförderung sowie eine steigende Zahl von Windkraftanlagen und Gezeitenturbinen in den europäischen Gewässern Schweinswale gefährden.

Denn auch wenn ihre Beutefische aufgrund ihrer Größe nicht für die kommerzielle Fischerei interessant sind, landen Schweinswale immer wieder als Beifang in den Fischernetzen. Für einige Populationen ist das die größte Bedrohung. Der Lärm von Schiffen, Bauarbeiten und Ölbohrungen beeinträchtigt die Tiere ebenfalls stark, wie jüngste Studien zeigen. Gerade ihr hoher Bedarf nach ständiger Energieversorgung mache Schweinswale besonders verwundbar, schreiben die Autoren. (red, 1.6.2016)

  • Ein Schweinswal mit Sender auf dem Rücken.
    foto: monika dyndo, fjord & bælt centre

    Ein Schweinswal mit Sender auf dem Rücken.

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