Mikrofossilien zeigen Anzeichen für Vampirbefall

5. Juni 2016, 12:00
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740 Millionen Jahre alte Eukaryoten wurden zu Opfern von Bohrattacken

Santa Barbara – Das Ediacarium vor etwa 635 bis 541 Millionen Jahren ist nach den ersten Fossilienfunden in den 1940er Jahren zu einer Art paradiesischem Zeitalter verklärt worden. Der Grund: Die sogenannte Ediacara-Fauna hatte nur Fossilien von weichen Geweben hinterlassen. Es fehlten Hinweise auf Zähne, Panzer, Stacheln, Schutzgehäuse – und somit auf Überlebensstrategien wie Jagd, Angriff und Verteidigung.

Tatsächlich dürfte es nicht nur damals, sondern auch schon im noch älteren Zeitalter des Cryogeniums ganz wie heute Jäger, Beute, Parasiten und Wirte gegeben haben – nur in kleinerem Maßstab. So berichten Forscher der University of California in den "Proceedings B" der Royal Society von "Vampirismus" in der Amöbenwelt. Die Spuren reichen über 740 Millionen Jahre zurück.

Vampirbisse im Miniaturformat

Das Team um die Biologin Susannah Porter untersuchte Mikrofossilien aus der Lagerstätte Chuar Group im Grand Canyon, wo bis zu 782 Millionen Jahre alte Sedimentschichten vom Boden eines Urozeans abgelagert wurden. Bei elektronenmikroskopischen Untersuchungen fanden die Forscher bei sieben verschiedenen Eukaryoten-Spezies winzige Bohrlöcher.

Diese exakt kreisförmigen Löcher von nur einem Mikrometer Durchmesser entsprechen den Spuren, wie sie heute Vampyrellidae – eine Familie wasserbewohnender Amöben – bei ihren Opfern hinterlassen. Vampyrellidae bohren die Zellwand ihres Opfers an und verleiben sich anschließend den Zellinhalt ein.

Wie Porter erklärte, lasse sich aber nicht sagen, ob die Mini-Vampire des Cryogeniums mit dieser Gruppe verwandt waren, und verwies darauf, dass es auch heute verschiedene nicht miteinander verwandte Amöbengruppen gibt, die vampirisch leben. Da die gefundenen Bohrlöcher unterschiedlich groß waren, könnten auch damals bereits verschiedene Gruppen diesem Lebensstil nachgegangen sein.

Zusammenhänge

Als nächstes möchte Porter noch ältere Fossilien auf Löcher untersuchen. Sie vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Aufkommen von Jäger-Beute-Beziehungen und der Diversifizierung der Eukaryoten vor etwa 800 Millionen Jahren gegeben haben könnte – lange bevor sich aus diesen die ersten Tiere entwickelten. (red, 5. 6. 2016)

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