De Maiziere: Radikalisierung zuerst über Menschen und nicht Internet

31. Mai 2016, 12:53
posten

Deutscher Innenminister fordert Gegensteuern durch Repression und Prävention

Auslöser für die politische oder religiöse Radikalisierung junger Menschen sind nach Angaben von des deutschen Innenministers Thomas de Maiziere (CDU) in der Regel persönliche Kontakte und nicht dasInternet. "Der Auslöser sind immer Menschen", sagte de Maiziere am Dienstag in Berlin auf einer Konferenz zu Strategien gegen Terrorismus und gewaltbereiten Extremismus.

Eine Weile sei davon ausgegangen worden, das Internet sei der "eigentliche Auslöser" in der Radikalisierung. "Inzwischen wissen wir, dass das nicht der Fall ist", sagte de Maiziere. "Das Internet ist dann aber ein Radikalisierungsbeschleuniger in diesem Prozess."

4.500 bis 5.000 Radikalisierte

Der deutsche Innenminister äußerte sich auf einer Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zum Kampf gegen den Terrorismus. Im Mittelpunkt der zweitägigen Beratungen stehen der Umgang mit aus Konfliktgebieten zurückkehrenden Extremisten und mögliche Wege zu ihrer Reintegration in die Gesellschaft.

De Maiziere zufolge sind 4.500 bis 5.000 Radikalisierte aus Europa nach Syrien und den Irak gezogen, um sich dort den Kämpfen in der ein oder anderen Weise anzuschließen. "Etwa 810 allein aus Deutschland", sagte der deutsche Innenminister. Wenn die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und dem Irak weiter zurückgedrängt werde, müsse noch mehr auf die Rückkehrer geachtet werden.

Datenaustauschs über Terroristen und Gefährder

"Kehren diese Menschen zu uns zurück, ist ihr Gefahrenpotenzial offenkundig", sagte de Maiziere. Zwar gebe es auch Rückkehrer, die seien "bedient". "Die werden nie wieder Gewalt anwenden. Aber es kommen auch Menschen zurück, die haben gelernt zu hassen und zu töten."

De Maiziere verlangte eine europäische und internationale Zusammenarbeit auch in Form eines Datenaustauschs über Terroristen und Gefährder. Der Innenminister forderte, Repression und Prävention müssten sich ergänzen. "Wir wollen radikalisierungsgefährdete Jugendliche aufklären, sie immun machen gegen den Mythos IS", sagte er. (APA, 31.5. 2016)

Share if you care.