Schruns, Spielwiese spanischer Sieger

31. Mai 2016, 13:11
7 Postings

Bereits zum dritten Mal trainierte die spanische Fußballnationalmannschaft in einem kleinen Ort im südlichsten Tal Vorarlbergs. Diesmal war das idyllische Camp allerdings untypisch

Schruns – Durchquert man den Arlberg Richtung Ländle, lässt man Orte wie Bings hinter sich und biegt noch ein paar Mal ab, dann steht man auf jener Brücke, die Schruns mit Tschagguns verbindet. Wer dort stand und Richtung Norden zum Fußballplatz des FC Schruns blickte, sah am Montag ein paar Burschen im Nieselregen laufen, die einen Ball vor sich her trieben. Wäre nicht der aufgebrachte Mallorquiner gewesen, der extra angereist war, aber nicht zum Feld durfte, niemand, der es nicht wusste, hätte bemerkt, dass auf dieser Wiese gerade Stars des Weltfußballs kickten.

Sechs Tage lang weilte die spanische Nationalmannschaft im südlichsten Tal Vorarlbergs. Heute zieht sie weiter. In spanischen Medien wird Schruns, eine 3706-Seelen-Gemeinde, umringt von drei gewaltigen Gebirgszügen, als "Glücksort" bezeichnet. Zum dritten Mal bereits trainiert die Furia Roja dort. Das erste Mal im Jahr 2010. Danach wurde sie Weltmeister. Das zweite Mal im Jahr 2012. Danach wurde sie Europameister. Nun soll in Schruns-Tschagguns der Weg zur Titelverteidigung bei der EM in Frankreich geebnet werden.

Wenig zu sehen bekam am Montag allerdings nicht nur der verärgerte Fan aus Mallorca. Medienvertreter durften erst zur Pressekonferenz das abgesperrte Gelände betreten. Dort erläuterten dann Héctor Bellerín, der noch bangen muss, ob er überhaupt in Frankreich dabei sein darf, und Pedro Rodríguez knapp, wie es so geht. Sinngemäß: Eh gut, alle sind aufgeregt und voller Vorfreude.

Rasen wie ein Billardtisch

Ein öffentliches Training fand nicht mehr statt, am Nachmittag war das Fußballfeld leer. "Die Sicherheitsvorschriften sind diesmal wesentlich strenger als in den Jahren zuvor", sagt Rudi Summer, der in Schruns als Platzwart tätig ist, seit es dort einen Platz gibt, der zu warten ist. Mehrere Wochen lang hat er das Feld für den hohen Besuch präpariert – es erst vertikutiert, dann aerifiziert und schließlich Quarzsand aufgeschüttet. Konkrete Vorschriften gebe es da nicht. "Ich weiß, was die Spanier brauchen: einen Rasen so eben wie ein Billardtisch."

Mehr als zwanzig Securitys und österreichische sowie spanische Polizisten waren im Einsatz. Cesc Fàbregas sei allerdings einmal ausgebüxt und durch den Ort gejoggt – fast unbemerkt. Trainer Vicente del Bosque habe mehrfach betont, wie toll es ist, dass man in Schruns in Ruhe gelassen wird und die Fans so diszipliniert sind, erzählte die Sprecherin des Tourismusverbands Montafon. "In Spanien werden die natürlich überall belagert."

Etliche der großen Stars waren allerdings diesmal gar nicht angereist. Die Spieler von Real und Atlético Madrid trafen einander ja am Samstagabend in Mailand zwecks Finales der Champions League, die Kollegen saßen in Vorarlberg vermutlich interessiert vor dem Fernseher.

In Schruns trainierten dafür auch elf Nachwuchstalente, die noch nie die Auswahl schmückten. "Ein sehr untypisches Trainingslager war das", sagte Pedro, der am Abend zuvor in St. Gallen eines von drei Toren beim 3:1 im Test gegen Bosnien-Herzegowina erzielt hatte.

Im Tourismusverband hält man sich jedenfalls für ziemlich raffiniert ob seines Fußballtourismus. Es kommen ja nicht bloß die Spanier gern, sagte Geschäftsführer Manuel Bitschnau: "Wir haben circa 70 Mannschaften pro Jahr bei uns, davon vier bis fünf Erstligisten und Nationalteams." Die Fußballer würden das Training auf mehr als 700 Meter Seehöhe und, natürlich, die großartige Infrastruktur und Gastfreundschaft schätzen. Er, Bitschnau, freue sich über die touristische Wertschöpfung und den Imagegewinn.

Angeblich zahlt die Region nichts für den regelmäßigen Besuch aus Spanien. Theoretisch haben die auch Geld genug: "Da steht über eine halbe Milliarde Euro auf dem Platz vom FC Schruns", sagt Summer. "Ich bin ja Fußballfan, aber so viel kann niemand wert sein." (Katharina Mittelstaedt, 31.5.2016)

  • Ein moderates Bad in der Menge: Spaniens Fußballstars zogen zum dritten Mal nach 2010 und 2012 in ihren Vorarlberger Glücksort ein.
    foto: apa/expa/groder

    Ein moderates Bad in der Menge: Spaniens Fußballstars zogen zum dritten Mal nach 2010 und 2012 in ihren Vorarlberger Glücksort ein.

  • Spaniens Coach Vicente del Bosque war in Schruns wieder glücklich: "Ambiente, Klima, Freundlichkeit, Ruhe – es hat alles gepasst."
    foto: apa/expa/groder

    Spaniens Coach Vicente del Bosque war in Schruns wieder glücklich: "Ambiente, Klima, Freundlichkeit, Ruhe – es hat alles gepasst."

Share if you care.