Computex 2016 beginnt: Start-ups, Games und große Träume

30. Mai 2016, 17:36
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Über 1.600 Aussteller aus 30 Ländern – Taiwan will zum asiatischen Mekka für Start-ups werden

Am Dienstag wird Taiwans Hauptstadt Taipeh wieder zum Nabel der Techbranche in Asien. Dann öffnet die Computex, die größte IT-Messe des Kontinents, für dieses Jahr ihre Pforten. Und sie ist erneut gewachsen: 1.602 Aussteller werden fünf Tage lang 5.009 Messestände füllen, 40.000 Besucher erwartet man, gaben die Organisatoren vom Taiwan Trade Office (Taitra) und der Taiwan Computer Association (TCA) im Vorfeld bekannt.

Auch zieht die 1981 ins Leben gerufene Veranstaltung beständig neue Kundschaft an. 23 Prozent aller vertretenen Firmen sind 2016 zum ersten Mal dabei. Trotzdem will man heuer so manches anders machen.

"Herz der Technologie"

Äußerlich ändert sich das Corporate Design. Die Computex erhält einen moderneren Auftritt. Der große Plan freilich, geht darüber hinaus, erläutert der Taitra-Vizechef Walter Yeh auf der Pressekonferenz vor dem Start. Taiwan will sich als "Herz der Technologie" positionieren. Man möchte ein Hub für Start-ups werden. Die Computex soll künftig nicht nur Innovationen zeigen sowie Hersteller und Käufer zusammenbringen, sondern auch junge Tech-Unternehmen und Investoren

Dafür wurde eine Plattform namens "Innovex" ins Leben gerufen. Sie soll Start-ups aus dem In- und Ausland und ihre Erfindungen sichtbar machen. 217 Unternehmen sind diesem Ruf gefolgt. Neben diversen Vertretern aus China und Taiwan finden sich darunter auch Firmen, von denen man international auch schon gehört hat. Etwa Blocks, die Erfinder einer modularen Smartwatch (UK) und Lucid VR (USA), die eine VR-Kamera für den Consumer-Markt entwickeln.

foto: derstandard.at/pichler
Walter Yeh, Vizepräsident der Taitra.

Fokus auf Start-ups

Neben eigenen Ausstellungsmöglichkeiten und dem Austausch mit Branchenprofis und Geldgebern wird den Start-ups auch ein Wettbewerb geboten. In diesem stellen die Unternehmen ihre Ideen in einem klassischen "Pitch" vor. Den Siegern winken 30.000 US-Dollar.

Die Bedingungen für Start-ups, so Yeh, sind in Taiwan ausgesprochen gut. Firmen finden hier im Grunde alle Ressourcen vor, die sie benötigen, um aus einer Idee ein fertiges Produkt zu machen. Dazu versteht sich das Land als "Gateway" zu den großen und vielfach aufstrebenden Märkten Asiens. Entsprechend unterstützt die Regierung auch die Start-up-Szene.

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Futurist Vito Di Bari.

IoT: Gekommen, um zu bleiben

Eine große Rolle auf diesem Weg wird laut Erwartungen auch ein anderer Schwerpunkt der Messe spielen: das Internet der Dinge. Bereiche wie das Smart Home sind junge, wachsende Märkte in denen viele Unternehmen noch ein Standbein finden können. "Das Spiel hat begonnen, die Regeln werden gerade erst geschrieben", meint dazu der bekannte Futurist Vito Di Bari.

Er schätzt, dass das IoT-Zeitalter 20 bis 30 Jahre dauern könnte, ehe es von einem anderen Paradigma abgelöst wird. Die Googles und Apples von morgen sind wahrscheinlich Firmen, die erst seit kurzem existieren oder erst noch gegründet werden.

Seiner Meinung nach kann Taiwan hier zu einer wichtigen Größe aufsteigen, möglicherweise ein asiatisches Silicon Valley werden. Dafür müsse die gesamte IT-Branche in Zukunft aber stark auf Kooperation setzen. "Ich hasse es, wenn ich Unrecht habe", so der Innovationsforscher scherzhaft. "Also tut bitte was."

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Kooperation lautet das Schlüsselwort für Taiwans ICT-Branche.

Europa hinkt nach

Einen Blick auf Europa wagt wiederum Ralph Wiegmann vom iF Industrie-Forum, das im Vorfeld der Computex Designpreise für verschiedene Produkte vergeben hat. Die sechsköpfige Jury war heuer rein männlich besetzt, gesteht Wiegmann ein. Und verspricht Besserung für nächstes Jahr.

Seiner Ansicht nach haben Deutschland und Co. in Start-up belangen jedenfalls einigen Aufholbedarf. Es gibt zwar einige Leute mit guten Ideen, aber oft kaum Geldgeber. Die Abwanderung von Gründern folgt als logische Konsequenz. Eine der seltenen Ausnahmen ist die Hauptstadt Berlin, die schon traditionell immer offen gegenüber der Entwicklung neuer Subkulturen war.

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Blocks, die modulare Smartwatch.

Games-Branche immer wichtiger

Die weiteren großen Themen der diesjährigen Computex sind Business Solutions und Gaming. Zahlreiche namhafte Hardwarehersteller – von Acer bis Zotac – sind mit Gaming-Lösungen angerückt. Spürbar ist auch der langsame Anbruch des Virtual-Reality-Zeitalters.

Das anhaltende Wachstum der Spielebranche und die zunehmende Popularität von E-Sport haben deutliche Spuren hinterlassen – die Messe dient heuer etwa auch als Kulisse für die Austragung eines "Hearthstone"-Bewerbs, eines Modding-Contests und für einen Übertaktungswettbewerb. (Georg Pichler aus Taipeh, 30.5.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reisekosten und die Unterbringung zur Computex werden vom Taiwan Trade Office übernommen.

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