Österreich als Wirtschaftsstandort nur Mittelmaß

31. Mai 2016, 05:54
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Das Imageproblem Österreichs wird nicht kleiner. Hohe Steuern auf Arbeit sind der größte Kritikpunkt

Wien – In einem der meistzitierten Standortrankings, jenem der Lausanner Managementhochschule IMD, wird Österreichs Wettbewerbsfähigkeit auch heuer wieder als mäßig beschrieben. Zwar bedeutet Platz 24 im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung um zwei Positionen. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern zeigt sich aber großer Aufholbedarf.

So ist Österreich beim Faktor Steuersystem Vorletzter unter den 61 untersuchten Ländern. Sowohl persönliche Einkommen als auch Unternehmenseinkünfte seien im internationalen Vergleich sehr hoch besteuert, sagt Christos Cabolis, Chefökonom des Teams, das die alljährliche Erhebung durchführt, zum STANDARD.

Schwankende Wahrnehmung

Auch was die Defizit- und Schuldensituation bei den öffentlichen Finanzen angeht, liegt Österreich im hinteren Drittel. Hier ließ sich aber in der Wahrnehmung internationaler Manager im vergangenen Jahr eine Verbesserung wahrnehmen, so Cabolis.

Ein Drittel der Einstufung beruht auf einer Befragung von rund 5.400 Managern in den berücksichtigten Ländern, zwei Drittel ergeben sich aus harten ökonomischen Daten. Die Studienautoren vergleichen insgesamt 340 Kriterien, die in vier Gruppen zusammengefasst werden: volkswirtschaftliche Kennzahlen, Effizienz der Verwaltung, Unternehmenseffizienz und Infrastruktur.

Gute Infrastruktur

Zumindest bei Letzterer schneidet Österreich traditionell gut ab. Auch Cabolis relativiert die scharfe Kritik am Abgabensystem: "Die hohen Steuern münden in eine vergleichsweise gute Infrastruktur." Die Wahrnehmung der Qualität öffentlicher Leistungen habe im Vorjahr noch einmal zugenommen. "Offensichtlich ist die Auswirkung von Investitionen aus der Vergangenheit jetzt präsenter, etwa in Transport- oder Logistikfragen", so Cabolis.

Insgesamt hat sich Österreichs Standing in Unternehmerkreisen im vergangenen Jahrzehnt dennoch markant verschlechtert. 2007 stand es in der IMD-Wertung noch auf Position elf. Im ähnlich bekannten Wettbewerbsindex des Weltwirtschaftsforums fiel es zwischen 2008 und 2015 von Rang 14 auf Rang 23.

An der Weltspitze tut sich indes wenig: Die besten vier der IMD-Studie sind seit mittlerweile sechs Jahren immer dieselben. Im Vorjahr hieß der Primus USA, heuer wurden sie von Hongkong und der Schweiz überflügelt. Die EU-Staaten mit dem besten Image sind Schweden, Dänemark, Irland und die Niederlande. Zu den Aufsteigern gehören osteuropäische Staaten wie Lettland, die Slowakei und Slowenien.

Südamerika weit zurück

Positionswechsel um ein, zwei Plätze sollten nicht überbewertet werden, sagt Cabolis. Das Ranking ist schließlich nicht nur von der eigenen Entwicklung eines Staates abhängig, sondern auch von jener in anderen Ländern.

Auch wenn die Aussagekraft von Standortrankings begrenzt ist: Über das Bild, das Wirtschaftstreibende von einem Land oder einer Region haben, geben sie allemal Auskunft. Südamerika etwa hinkt weiter deutlich hinterher. Chile kommt als am höchsten eingeschätztes Land des Kontinents auf Platz 36. Argentinien als Nummer 55 ist das einzige Land aus der Region, das sich verbessern konnte. Den letzten Platz unter den 61 verglichenen Staaten nimmt das krisengeschüttelte Venezuela ein.

Der Index, sagt Cabolis, zeige auch, dass die globale Ungleichheit in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Aber: "Sie wächst zumindest nicht mehr so schnell." (Simon Moser, 31.5.2016)

  • Auch wenn die Güterbim in Wien nicht mehr fährt: Lob gibt es zumindest für Österreichs Infrastruktur.
    foto: apa/schlager

    Auch wenn die Güterbim in Wien nicht mehr fährt: Lob gibt es zumindest für Österreichs Infrastruktur.

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