Bei Air France drohen Pilotenstreiks

30. Mai 2016, 16:41
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Der Protest der Gewerkschaften gegen Lohnsenkungen erhitzt kurz vor Beginn der Fußball-EM die ohnehin aufgebrachten Gemüter

Paris – Kurz vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich drohen längere Pilotenstreiks bei der Air France. Die Mitglieder der Pilotengewerkschaft SNPL stimmten im Grundsatz mit großer Mehrheit für Streiks mit einer Dauer von mehr als sechs Tagen, wie die Gewerkschaft am Montag mitteilte. "Es wird im Juni zwangsläufig Aktionen geben", sagte ein SNPL-Sprecher.

Die Piloten wollen damit unter anderem gegen eine Senkung ihrer Löhne protestieren. Am 1. Juni treten eine Reihe von Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Fluggesellschaft in Kraft. Unter anderem werden die Nachtzuschläge für Piloten von bisher 50 Prozent auf 40 Prozent gesenkt. Die SNPL wirft der Fluggesellschaft vor, im Gegenzug versprochene Zusagen nicht einzuhalten.

Chaos befürchtet

Beim letzten Streik der SNPL bei Air France hatten die Piloten im September 2014 zwei Wochen lang die Arbeit niedergelegt – ein Rekord in der Geschichte der französischen Fluggesellschaft.

Derzeit wird Frankreich von einer ganzen Reihe von Streiks, Demonstrationen und Blockaden aus Protest gegen eine geplante Lockerung des Arbeitsrechts erschüttert. Das hat auch zu Befürchtungen mit Blick auf die Fußball-EM geführt, die am 10. Juni beginnt.

Treibstoff weiter knapp

An manchen französischen Tankstellen ist infolge von Gewerkschaftsprotesten weiterhin der Sprit knapp. 653 von 2200 Tankstellen des Ölkonzerns Total waren am frühen Montagnachmittag komplett oder teilweise ohne Treibstoff, wie das Unternehmen mitteilte. Total betreibt etwas weniger als ein Fünftel aller französischen Tankstellen.

Streiks und Blockaden an Treibstoffdepots und Raffinerien hatten in der vergangenen Woche zu Engpässen bei der Versorgung geführt. Die Gewerkschaft CGT will mit den Aktionen die umstrittene Arbeitsmarktreform der Regierung zu Fall bringen.

Die Situation hatte sich Ende der Woche etwas entspannt. Regierungssprecher Stephane Le Foll versicherte am Sonntag im Sender France 3, die Versorgungslage an den Tankstellen verbessere sich. Die Zahl der betroffenen Standorte bei Total war im Vergleich zu Freitagabend etwa stabil, allerdings saßen etwas weniger Tankstellen komplett auf dem Trockenen.

Während die Regierung die Blockaden an Treibstoffdepots in der vergangenen Woche geräumt hatte, stehen vier von acht französischen Raffinerien wegen Streiks weiter still, zwei weitere mussten die Produktion drosseln. Frankreich griff zur Versorgung bereits auf seine strategischen Reserven zurück. (APA, 30.5.2016)

  • Schon in der vergangenen Woche gab es Demonstrationen der Gewerkschaften, wie hier am Flughafen Marseille.
    foto: afp photo / boris horvat

    Schon in der vergangenen Woche gab es Demonstrationen der Gewerkschaften, wie hier am Flughafen Marseille.

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