London bliebe auch nach Brexit Europas Finanzplatz Nummer eins

30. Mai 2016, 16:22
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Am Primus führt unabhängig vom Ausgang des Referendums kein Weg vorbei – auch wenn Frankfurt bei einem Brexit gewinnen könnte

London – Ein Austritt Großbritanniens aus der EU würde den Status Londons als Europas wichtigste Finanzmetropole nach einer Studie der Helaba nicht gefährden. In den vergangenen zehn Jahren habe die britische Hauptstadt ihren Vorsprung auf Frankfurt und Paris ausgebaut, sagte die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud, am Montag bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt am Main.

"Der Finanzplatz Frankfurt könnte bei einem Brexit zwar gewinnen – aber um welchen Preis?", warnte sie vor Hoffnungen auf einen Zustrom von Investmentbankern in die Mainmetropole.

Im Großraum Frankfurt arbeiten 62.000 Menschen für Banken, in und um London sind es 144.000. In der Finanzbranche insgesamt sind hier wie dort jeweils deutlich mehr Leute beschäftigt.

Chance genutzt

Frankfurt habe aber Paris als zweitwichtigster Finanzplatz in der EU seit 2006 deutlich abgehängt, heißt es in der Studie. Vor zehn Jahren hatte die Helaba beide Städte gleichauf gesehen. "Frankfurt hat seine Chance genutzt", sagte Traud. Während die Zahl der Arbeitsplätze in der Finanzbranche in London in der Finanzkrise stark schwankte, heute aber wieder sechs Prozent über dem Vorkrisenniveau liege, habe Paris einen "strukturellen Abbau" erlebt. In Frankfurt sei die Beschäftigung weiterhin relativ stabil – nicht zuletzt durch die Ansiedlung der Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Studie analysiert nicht nur die Bedeutung von Banken und Börsen in den drei Städten, sondern auch Standortfaktoren wie die Lehre und Forschung, die Attraktivität für Zukunftstrends wie FinTechs und die Infrastruktur. Zürich wird nicht in der Studie beleuchtet.

Am meisten profitieren würde Frankfurt, schieden die Briten im Streit aus der EU aus. Wenn sich Großbritannien dagegen in Verhandlungen die Rosinen aus dem Kuchen picke und etwa der "EU-Pass" weiterhin auch für Finanzprodukte aus London gelten würde, ginge Frankfurt leer aus, glaubt Traud. Die Helaba rechne nicht mit einem Brexit, taxiere die Wahrscheinlichkeit dafür aber auf immerhin 40 Prozent.

Votierten die Briten gegen die EU, sieht die Volkswirtin Fragezeichen hinter der geplanten Fusion der Börsen in Frankfurt und London. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Fusionsverhandlungen bei einem Brexit weitergeführt würden. Ich könnte mir vorstellen, dass dann nochmals überlegt werden würde." (APA/Reuters, 30.5.2016)

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