Hissène Habré: Vom Wüstenkrieger zum Tyrannen

30. Mai 2016, 15:37
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Tschads Ex-Präsident Hissène Habré steht für acht Jahre Gewaltherrschaft

Dakar – In den Jahren seines Aufstiegs trat er gern in der typischen Kampfkleidung eines Wüstenkriegers auf, inzwischen bevorzugt er bauschige weiße Gewänder mit einem ebenso weißen Turban: Tschads früherer Diktator Hissène Habré ist am Montag wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Vergewaltigung, Entführung und Sklaverei zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Habré herrschte im Tschad von 1982 bis 1990. Nach seinem Sturz durch den bis heute amtierenden Präsidenten Idriss Déby Itno flüchtete Habré ins westafrikanische Senegal, wo er sich nun wegen der damaligen Gewalttaten vor einem afrikanischen Sondertribunal verantworten musste. Unter Habré wurden im großen Stil Dissidenten verfolgt und ermordet, Folter war verbreitet. Nach heutigem Ermittlungsstand wurden mehr als 40.000 Menschen umgebracht. Zuständig war die gefürchtete Geheimpolizei DDS.

Aus "einfachen Verhältnissen"

Habré wurde 1942 als Farmersohn in Faya-Largeau im Norden des Tschad geboren und wuchs unter Nomaden auf. Mit hoher Intelligenz begabt, fand er rasch den Weg zu einem Jura- und Politikwissenschaftsstudium in Paris. Zurück in der Heimat, schloss er sich der Nationalen Befreiungsfront an, später gründete er seine eigene Rebellengruppe, die FAN. 1974 geriet Habré in die Schlagzeilen, weil er eine französische Ethnologin entführte und drei Jahre festhielt, bevor Frankreich seine Bedingungen für die Freilassung erfüllte. 1982 erkämpfte er sich seinen Weg an die Macht. Acht Jahre später wurde er selbst von einer Rebellentruppe unter dem heutigen Präsidenten Deby gestürzt und setzte sich in den Senegal ab.

Nicht nur die weiße Tracht, auch das sonstige Leben Habrés im Senegal vermittelte nach außen den Eindruck von Friedfertigkeit und Normalität. Der frühere Diktator hatte sich mit Frau und Kindern in einem gehobenen Viertel von Dakar eingerichtet, galt als freundlicher Nachbar und frommer Muslim, der den Bau von Moscheen unterstützte.

Afrikanisches Tribunal

Die Afrikanische Union (AU) übertrug dem Senegal im Juli 2006 das Mandat, gegen Habré einen Strafrechtsprozess zu eröffnen. Dies geschah vor dem Hintergrund zunehmender Kritik daran, dass der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag zu einseitig Afrikaner ins Visier nehme.

Die Strafverfolgung gegen Habré kam jedoch im Senegal viele Jahre nicht voran. Dies ging zum Teil auf Interventionen des senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade zurück. Auch ein belgischer Haftbefehl, der gegen Habré erwirkt wurde, weil drei Belgier mit tschadischer Herkunft eine Klage wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingereicht hatten, blieb jahrelang folgenlos.

Am 30. Juni 2013 wurde Habré schließlich in Dakar festgenommen. Mit dem Rückhalt der AU-Entscheidung für einen Prozess im Senegal wurde er dem Gericht zwangsweise vorgeführt. Beharrlich weigerte er sich, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Der Prozess von Dakar wird Geschichte machen, ist es doch das erste Mal, dass ein ehemaliger afrikanischer Staatschef in einem anderen afrikanischen Land wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilt wurde. (APA, 30.5.2016)

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