Gaulands Foul gegen deutschen Kicker zeigt die Gräben in der AfD

30. Mai 2016, 15:27
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Nach der beleidigenden Äußerung von AfD-Vize Alexander Gauland über den deutschen Fußballer Jérôme Boateng rumort es an der AfD-Spitze heftig

Am Tag darauf, am Montag, gibt sich Alexander Gauland, Vizechef der Alternative für Deutschland (AfD), kämpferisch und zerknirscht zugleich. "Ich bin natürlich kein Rassist", sagt er der Deutschen Presse Agentur. Doch so wirklich retten kann er nichts mehr, denn seit dem Wochenende tobt ein Sturm der Entrüstung gegen ihn.

In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hatte sich Gauland abschätzig über den deutschen Fußballnationalspieler und Weltmeister von 2014, Jérôme Boateng, geäußert: "Die Leute finden ihn als Fußballer gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Boateng, der für den FC Bayern München kickt, wurde 1988 in Berlin geboren, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus Ghana.

"Geschmacklos" und "niederträchtig"

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ durch ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten: "Dieser Satz, der gefallen ist, der ist ein niederträchtiger und ein trauriger Satz." Auch andere Kabinettsmitglieder und der Deutsche Fußballbund (DFB) kritisieren Gauland. Es sei geschmacklos, die Popularität Boatengs "für politische Parolen zu missbrauchen", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Nationalspieler Benedikt Höwedes twitterte: "Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn."

Auch im Internet erfuhr Boateng viel Solidarität, viele wiesen darauf hin, lieber ihn als Gauland als Nachbarn haben zu wollen. Boateng selbst sagt: "Es ist ehrlich gesagt traurig, dass heutzutage noch so etwas gesagt wird." Gauland bestreitet ohnehin, den Fußballer beleidigt zu haben, da er ihn gar nicht kenne.

Möglicherweise sei der Name Boatengs in dem Gespräch gefallen, aber dann seitens der Journalisten der FAS, denn: "Ich kenne mich im Fußball gar nicht aus." Er, Gauland, habe nur deutlich machen wollen, "dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten".

Dennoch räumt Gauland zerknirscht ein, dass ihm auch AfD-Chefin Frauke Petry den Kopf gewaschen habe: "Frau Petry hat mich angerufen und sich sehr kritisch über die Berichterstattung geäußert." Petry selbst distanziert sich auch öffentlich deutlich von ihrem Vize und erklärt: "Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist."

Als Nachbar willkommen

Ihr Kochef Jörg Meuthen meint zwar, Gauland sei wohl missverstanden worden, betont aber ebenfalls: "Wenn Herr Boateng sich eines Tages dazu entschließen sollte, in meine Nachbarschaft zu ziehen, würde ich mich über ihn als neuen Nachbarn freuen."

Gaulands Foul gegen Boateng sorgt somit nicht nur Aufregung, sondern offenbart die tiefen Gräben, die durch die AfD-Spitze verlaufen. Gauland zählt in der AfD-Spitze zum national-konservativen Flügel, er will die Partei gern weiter rechts positionieren und pflegt guten Kontakt zum Landeschef von Thüringen, Björn Höcke.

Dieser spricht vom "lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp" sowie einem "Bevölkerungsüberschuss" Afrikas und empfiehlt Chefin Petry ein baldiges Treffen mit Marine Le Pen, der Chefin des rechtsextremen französischen Front National.

Doch Petry und ihr Kochef Meuthen (er ist auch Landeschef von Baden-Württemberg) wollen die Partei auf eher moderat-rechten Kurs trimmen. Der Dissens zeigt sich auch im Umgang mit der Pegida-Bewegung. In der Vorwoche entschied der AfD-Vorstand, "dass AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen bei Pegida-Veranstaltungen auftreten sollen".

Gauland enthielt sich bei dieser Abstimmung, Höcke findet, man sollte den Pegida-Beschluss "nicht allzu hoch hängen", denn: "Erfahrungsgemäß geht die Zeit über viele Parteibeschlüsse schnell hinweg." Sein Fürsprecher Gauland meint auch, Höcke tue sehr viel für die AfD, daher sei es sein "gutes Recht, auch mal von einem Vorstandsbeschluss abzuweichen" – ein weiterer Stich gegen Petry. Diese aber, so berichtet die "Bild", habe Gauland nach der Causa Boateng ohnehin "den Krieg erklärt". (Birgit Baumann, 30.5.2016)

  • Jérôme Boateng (rechts) wurde am Sonntag in der WWK Arena in Augsburg beim Freundschaftsspiel Deutschland gegen Slowakei mit Transparenten begrüßt und lautstark unterstützt. Auch im Internet wünschen sich viele Menschen, dass er in ihre Nachbarschaft zieht.
    foto: reuters /michael dalder

    Jérôme Boateng (rechts) wurde am Sonntag in der WWK Arena in Augsburg beim Freundschaftsspiel Deutschland gegen Slowakei mit Transparenten begrüßt und lautstark unterstützt. Auch im Internet wünschen sich viele Menschen, dass er in ihre Nachbarschaft zieht.

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