Weiter Turbulenzen bei FACC: Nach Chef geht auch Aufsichtsrat

30. Mai 2016, 12:52
16 Postings

Vergangene Woche musste der Vorstandsvorsitzende wegen der "Fake President"-Verluste gehen, nun auch Aufsichtsrat Gregory Peters

Wien/Ried im Innkreis – Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC kommt nicht zur Ruhe: Nach der überraschenden Ablöse des langjährigen CEOs und Firmengründers Walter Stephan hat nun ein Aufsichtsrat sein Mandat zurückgelegt. Gregory B. Peters habe dem Unternehmen mitgeteilt, dass er sein Amt mit sofortiger Wirkung zurücklege, teilte FACC am Montagvormittag mit. Peters Sitz soll bei der nächsten Hauptversammlung Mitte Juli nachbesetzt werden, sagte ein Sprecher. Genaueres weiß er nicht. Peters' Rücktritt mit sofortiger Wirkung "lässt den Rückschluss zu, dass sein Abgang im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Woche steht", sagte der Sprecher. Da er mit Peters aber nicht persönlich gesprochen habe, wisse er seine genaue Motivation nicht, so der Sprecher. Die nächste FACC-Hauptversammlung findet am 15. Juli in der Messe Ried statt.

Nach dem Abgang Peters' verbleiben noch zehn Mitglieder im Aufsichtsrat. Vier sind vom Betriebsrat delegiert, weiters bleiben unter Vorsitz von Geng Ruguang noch Tang Jun, Gong Weixi, Lei Yanzheng, Wang Xuejun und Yang Chunsheng.

"Fake President"-Affäre Auslöser

Der Aufsichtsrat hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass Stephan "seine Pflichten schwerwiegend verletzt hat, insbesondere im Zusammenhang mit dem 'Fake President'-Vorfall". Dabei war FACC durch eine offenbar von Betrügern ausgelöste Überweisung ein Schaden von mehr als 50 Millionen Euro entstanden, wie das Unternehmen im Jänner mitteilte. Im Februar musste daraufhin bereits die FACC-Finanzchefin gehen.

FACC ist seit 2009 mehrheitlich in chinesischer Hand, als die staatliche chinesische Luftfahrt- und Militärindustriegesellschaft Avic über ihren kommerziellen Arm die Firma fast zur Gänze übernahm. 2014 schickten die Chinesen die FACC an die Börse, heute halten sie 55 Prozent an dem Unternehmen. Knapp fünf Prozent hält der Erste-Group-Konzern (über Töchter), 39,6 Prozent sind im Streubesitz. Die Gruppe machte 2015/16 mit rund 3.100 Beschäftigten einen Umsatz von 587,5 Millionen Euro und hatte wegen des Betrugsfalls einen operativen Verlust von 23,4 Millionen zu verbuchen. (APA, red, 30.5.2016)

Share if you care.