Salzburg: Schwarzes Foul nach roter Hüftoperation

Blog30. Mai 2016, 13:47
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Der Salzburger ÖVP-Vize Christian Stöckl zerrt die Hüft-OP eines SPÖ-Abgeordneten an die Öffentlichkeit

Salzburg – Landeshauptmann-Stellvertreter, Spitals- und Finanzreferent Christian Stöckl gilt als "Sozi-Fresser". Sogar manch schwarzer Parteifreund attestiert Stöckl hinter vorgehaltener Hand einen "biblischen Hass auf alles Rote". Zimperlich ist der ehemalige Bürgermeister der Stadt Hallein im Umgang mit den im Land oppositionellen Sozialdemokraten jedenfalls nicht. Im Gegenteil. Zuletzt griff er anlässlich einer Hüftoperation des SPÖ-Landtagsabgeordneten und Bürgermeisters von St. Margarethen im Lungau, Gerd Brand, in die Vollen.

Stöckl hatte in einem Schreiben an Brand diesem nach dessen Operation "rasche und gute Genesung" gewünscht. Gleichzeit hatte er den SPÖ-Abgeordneten in diesem Brief aber auch dafür kritisiert, den Eingriff nicht im Lungauer Krankenhaus in Tamsweg, sondern in Spittal an der Drau in Kärnten durchgeführt zu haben – obwohl Brand selbst immer wieder die Lungauer aufgefordert habe, dem Spital in der Bezirkshauptstadt Tamsweg die Treue zu halten.

Briefwechsel

Dieses Schreiben des Landeshauptmann-Stellvertreters – samt angeführter Art der Operation – erging auch an diverse Lokalmedien. Was man im Büro von Stöckl auch gar nicht bestreitet. Es habe sich um einen offenen Brief gehandelt, heißt es dort auf Anfrage des STANDARD.

Stöckl hat nun freilich eine ziemlich unangenehme Debatte am Hals. Die Salzburger Ausgabe der "Kronen Zeitung" veröffentlichte am Montag auf einer ganzen Seite ein Schreiben von Brand an Stöckl, in dem dieser die Gründe für sein Ausweichen nach Kärnten – dringender Fall mit drohendem Absterben der Hüftkugel, und in Salzburg habe man zwei Monate auf einen MRT-Termin zu warten – darlegt. Nachsatz: Obwohl Stöckl die Entscheidung, an welchen Arzt er sich wende, überhaupt nichts angehe.

Rechtliche Schritte

Brand bezeichnet Stöckls Vorgehen als "niederträchtig, hinterfotzig und nicht entschuldbar. Die schweren gesundheitlichen Probleme eines politischen Mitbewerbers zu missbrauchen hätte ich niemandem zugetraut." Der SPÖ-Mandatar kündigt straf- und zivilrechtliche Schritte an und fordert den Rücktritt des schwarzen Landeshauptmann-Stellvertreters.

Der Attackierte gibt sich uneinsichtig: "Ich will dieses Antwortschreiben nicht näher kommentieren, wenngleich ich die darin zum Ausdruck gebrachte Aufgeregtheit absolut nicht nachvollziehen kann. Brand äußert immer wieder seine Sorgen um die Landesklinik Tamsweg und fordert die Lungauerinnen und Lungauer auf, dem Spital die Treue zu halten. Ich habe lediglich meine Verwunderung darüber zum Ausdruck gebracht, dass er selbst das hervorragende Angebot in unmittelbarer Nachbarschaft nicht in Anspruch genommen hat." (Thomas Neuhold, 30.5.2016)

  • Landtagsabgeordneter Gerd Brand (SPÖ) fordert den Rücktritt von Salzburgs Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl (ÖVP).
    foto: spö-salzburg

    Landtagsabgeordneter Gerd Brand (SPÖ) fordert den Rücktritt von Salzburgs Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl (ÖVP).

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