Fehlende Mittel für traumatisierte Flüchtlinge

30. Mai 2016, 12:18
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Traumata lassen sich gut behandeln – allein es fehlen die finanziellen Mittel mahnt die Betreuungsorganisation Hemayat und bittet um Hilfe

Österreich braucht mehr Betreuung für traumatisierte Flüchtlinge. Nicht bewältigte Schockerlebnisse können lebenslang invalide machen und das Sozial- und Gesundheitssystem belasten. Der Wiener Verein Hemayat, der sich seit mehr als 20 Jahren mit der psychotherapeutischen Betreuung von Folteropfern und Flüchtlingen beschäftigt, veranstaltet am 3. Juni deshalb ein Sommerfest in Wien, wo man durch eine Versteigerung finanzielle Mitteln lukrieren will.

"Die Stimmung gegenüber Flüchtlingen wird immer rauer. Wir feiern aber jetzt erst recht, dass Hemayat vielen Menschen helfen konnte und dass uns so viele Menschen dabei unterstützen", wurde die Geschäftsführerin des Vereines, Cecilia Heiss, in einer Aussendung zitiert.

Es gibt viele Unterstützer und "Zeitspender": Heinz Fischer, Karim El-Gawhary, Michael Niavarani, Barbara Frischmuth, Angelika Kirschschlager, Andreas Vitasek, Julya Rabinowich, Jonas Kaufmann und andere schenken den Meistbietern Zeit und ein persönliches Kennenlernen.

Psychischer Schutz

Das Wort "Hemayat" stammt aus dem arabischen Sprachraum und bedeutet "Betreuung" und "Schutz". Das Betreuungszentrum ermöglicht schwerst traumatisierten Flüchtlingen den Zugang zu psychotherapeutischer und medizinischer Hilfe. Nicht nur Erwachsene, auch viele Kinder und Jugendliche, die Folter und Krieg erlebt und überlebt haben, finden Hilfe. Im Jahr 2015 wurden 753 Menschen – darunter 122 Minderjährige – betreut. Alle Einnahmen aus dem diesjährigen Sommerfest und der Benefiz-Auktion werden der spezifischen Finanzierung von Einzel-Therapieplätzen für traumatisierte Kinder und ihre Familien zweckgewidmet.

Im März dieses Jahres fehlten 300.000 Euro für die Betreuung Betroffener. Mehr als 400 Menschen mit Trauma-Erlebnissen standen auf der Warteliste. "Unser Team wäre groß genug. Wir haben die Räumlichkeiten. Es fehlt das Geld", sagte Hemayat-Leiterin Cecilia Heiss im Sommer vergangenen Jahres.

Vom Holocaust lernen

Aus Studien mit Holocaust-Überlebenden, die bereits vor Jahrzehnten gestartet worden sind, geht klar hervor, dass eine nicht aufgearbeitete Traumatisierung das Leben der Opfer und ihrer Angehörigen nachhaltig schädigen oder gar zerstören kann. "Wir haben Menschen gesehen, die haben es in der Nacht nicht gewagt, sich auszuziehen, weil in Tschetschenien die Täter immer in der Nacht kamen", berichtete die Psychologin. Von Holocaust-Opfern ist bekannt, dass manche nach dem Überleben des Nazi-Terrors Jahre und Jahrzehnte ständig "auf gepackten Koffern" saßen, weil sie immer zur Flucht bereit sein wollten.

Ebenfalls aus der Geschichte der Holocaust-Opfer ist längst bekannt, dass posttraumatische Belastungsstörungen über Generationen weitervererbt werden können. "Da gibt es Kinder, die fallen in Ohnmacht, wenn sie eine Uniform sehen", sagte Heiss. Auf der anderen Seite gebe es wieder Kinder von Kriegsflüchtlingen und Folteropfern, die "wahnsinnig gut funktionieren" und die größte Stütze für ihre Eltern seien. Auch das haben die Erfahrungen mit Holocaust-Opfern schon vor langer Zeit belegt. Hemayat kooperiert auch mit der Wiener jüdischen Hilfsorganisation Esra. (APA, 30.5.2016)

Veranstaltungstipp:

Das Fest findet am Freitag, 3. Juni 2016 ab 19.00 Uhr im Wiener Palais Schönburg (1040, Rainergasse 11) statt. Man kann ab sofort auf der Webseite des Dorotheum an der Versteigerung teilnehmen und ein Gebot abgeben.

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