Prozess um entführte und getötete 17-Jährige in Dresden begonnen

30. Mai 2016, 10:23
12 Postings

Zwei Männer stehen im Fall Anneli wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge vor Gericht

Dresden – Im Fall der entführten und getöteten 17-jährigen Anneli in Deutschland hat am Dresdner Landgericht der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen. Einer der Angeklagten hat die Tat laut Staatsanwaltschaft lange geplant. Er habe seine finanzielle Situation mit Erpressung aufbessern wollen, sagte Oberstaatsanwältin Karin Dietze am Montag zum Prozessauftakt am Landgericht. Sie beschuldigte den 40-Jährigen, die Schülerin im August 2015 entführt und getötet zu haben.

Einem Komplizen wirft die Anklage erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge vor. Die Männer sollen die Tochter eines Unternehmers am Abend des 13. August 2015 im sächsischen Klipphausen verschleppt und vom Vater 1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Die Übergabe scheiterte aber. Der 40-Jährige tötete die Gymnasiastin laut Anklage am nächsten Tag "zur Verdeckung einer anderen Straftat". Bereits Wochen zuvor habe er die Familie auskundschaftet und dann einen Freund als Komplizen gewonnen, sagte Dietze.

Der gelernte Koch, der mit Baseballmütze im Gerichtssaal erschien und keine Angaben machte, hatte sich der Anklage zufolge Kabelbinder zum Fesseln besorgt. Er wusste demnach, wo Anneli allabendlich mit dem Hund Gassi ging. Am 13. August sei er auf dem Feldweg in der Nähe ihres Elternhauses auf die Jugendliche zugesprungen. Als ein Betäubungsversuch scheiterte, "zerrte er das Mädchen in den Kofferraum und fesselte ihr Hände und Füße", sagte Dietze. Das Mädchen wehrte sich, doch der Mann habe es auf dem Rücksitz festgehalten.

Mutmaßlicher Haupttäter verhandlungsfähig

Nachdem der Hauptangeklagte Annelis Vater mit ihrem Handy angerufen und seine Forderung mit Drohungen unterlegt hatte, fuhren die Männer mit der Schülerin erst zu einer Talsperre. Dort warfen sie ihr Handy ins Wasser. Für den Angeklagten habe da festgestanden, "dass Anneli im Falle des Überlebens die Täter wiedererkennen würde und den Entschluss gefasst, sie zu töten".

Nur wenige Stunden später, im Schuppen eines Hofs, habe er dem an einen Stuhl gefesselten Opfer ein Plastiksackerl über den Kopf gestülpt, ihm zusätzlich Kabelbinder und Spanngurt um den Hals gelegt, "und festgezogen". Erst nach fünf Tagen Suche waren die Leiche des Mädchens gefunden und die Tatverdächtigen verhaftet worden.

Die Eltern und die ältere Schwester von Anneli verfolgten die Anklageverlesung wie erstarrt, aber gefasst. Sie sind Nebenkläger im Prozess und sollten am Nachmittag als erste von insgesamt 21 Zeugen vernommen werden.

Während der Mitangeklagte ausführlich über sein Leben Auskunft gab, aber nichts zur Sache sagte, saß der mutmaßliche Haupttäter reglos auf der Anklagebank. Ein Gutachten hatte seine Verhandlungsfähigkeit bestätigt. Für den Prozess hat das Landgericht Dresden zunächst 15 Verhandlungstage bis Ende August geplant. (APA, dpa, 30.5.2016)

Share if you care.