Oracle-Anwältin: Googles Sieg bedroht Open-Source-Software

30. Mai 2016, 10:15
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Annette Hurst kritisiert Entscheidung, dass Googles Verwendung von Java unter Fair Use fällt

Google hat im jahrelangen Urheberrechtsstreit mit Oracle um die Nutzung der Programmiersprache Java einen Sieg errungen. Während der Android-Entwickler das Urteil als Triumph für sein mobiles Betriebssystem feiert, sieht man bei Oracle das Prinzip freier Software bedroht. In einem Kommentar auf "Ars Technica" kritisiert Oracle-Anwältin Annette Hurst die Entscheidung.

Nutzung unter Fair Use

Google argumentierte, dass die Verwendung von Java für Android unter der Fair-Use-Policy geregelt sei und daher keine Lizenzgebühren dafür bezahlt werden müssen. Das Gericht in San Francisco stimmte dem nun zu. Oracle hingegen spricht von einer "unautorisierten, kommerziellen, wettbewerblichen, schädlichen Nutzung von Software in Milliardenhöhe". Kein Urheberrechtsexperte würde so einen Fall als fair bezeichnen, schreibt Anwältin Hurst. Oracle will das Urteil anfechten. Sollte das nicht gelingen, könnte laut Hurst die General Public License (GPL) und damit Open Source-Software bedroht sein.

Duale Lizenzmodelle hinfällig

Auch wenn Software für eine nicht-kommerzielle Nutzung freigegeben sei, hätten Entwickler bislang für die kommerzielle Verwertung Lizenzgebühren gezahlt. Solche dualen Modelle seien weit verbreitet. Aus den Einnahmen werde die Entwicklung von Open Source-Software finanziert, so Hurst. Durch das Gerichtsurteil könnten solche Einschränkungen für kommerzielle Nutzung in Zukunft hinfällig sein. Und ohne Lizenzgebühren könnte das Modell freie Software nicht weiter bestehen.

Nicht im Sinn Richard Stallmans

Laut Hurst würde das dazu führen, dass Unternehmen ihre Software nur mehr als Dienstleistung über die Cloud zur Verfügung stellen und Konsumenten weniger Optionen und Kontrolle darüber hätten. Google sei eine Werbefirma und nicht von traditioneller Software-Lizenzierung abhängig, dennoch gebe es seine eigenen APIs nicht für konkurrierende Einsatzzwecke frei.

Die kostenlose Software von Google sei nicht im Sinn von GNU-Gründer Richard Stallman. Die Philosophie des GNU-Projekts basiert auf vier Freiheiten: Nutzer sollen ein Programm ausführen können, den Quellcode untersuchen und ändern, sowohl exakte Kopien als auch modifizierte Versionen weiterverbreiten dürfen. (red, 30.5.2016)

  • Oracle will das Urteil im Rechtsstreit mit Google anfechten.
    foto: reuters/albert gea

    Oracle will das Urteil im Rechtsstreit mit Google anfechten.

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