Irakische Armee begann Sturm auf IS-Hochburg Falluja

30. Mai 2016, 14:57
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Rund 50.000 Zivilisten eingeschlossen – Syrische Milizen weiteten Offensive nahe IS-Bastion Raqqa aus – Rund 20 Tote bei Anschlagsserie in Bagdad

Falluja/Bagdad – Unterstützt von der US-Luftwaffe hat das irakische Militär am Montag mit der Erstürmung von Falluja, einer Hochburg der Extremistenmiliz "Islamischer Staat", begonnen. Erste Einheiten drangen in den südlichen Teil der Stadt 50 Kilometer westlich von Bagdad ein, wie die Armee bekanntgab. Die Truppen kämpften sich offiziellen Angaben zufolge in Richtung des Zentrums vor.

Elitesoldaten der Einheit CTS, Polizeikräfte und irakische Regierungstruppen hätten Falluja gegen 4 Uhr nachts aus drei Richtungen angegriffen, sagte Kommandant Abdelwahab al-Saadi. CTS-Sprecher Sabah al-Norman bestätigte die Angaben. Die CTS ist einer der am besten ausgebildeten Einheiten der irakischen Armee.

In der Stadt droht den Soldaten ein gefährlicher Häuserkampf. 2004 war Falluja schon einmal Schauplatz blutiger Kämpfe, als die US-Truppen dort eine ihrer schwersten Schlachten seit dem Vietnam-Krieg führten.

Kritische Versorgungssituation

Die Offensive auf das eingekesselte Falluja begann vor einer Woche und löste bei Hilfsorganisationen Besorgnis aus. In der IS-Hochburg sind mehr als 50.000 Zivilisten mit äußerst begrenztem Zugang zu Trinkwasser, Nahrungsmitteln und ärztlicher Versorgung eingeschlossen. Nach Angaben der UN hindert der IS die verbliebenen Bewohner daran, die Stadt zu verlassen. Diejenigen, denen die Flucht gelang, berichteten nach UN-Angaben, dass einige Menschen bereits verhungert seien.

Falluja wird seit Jänner 2014 vom IS beherrscht und ist nach Mossul die wichtigste Bastion der sunnitischen Jihadisten im Irak. In den vergangenen Monaten verlor der IS eine Reihe wichtiger Städte in der Region im Westirak, darunter die Provinzhauptstadt Ramadi.

Angriff auf Falluja umstritten

Die irakische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, auch die vom IS besetzte Millionenstadt Mossul noch in diesem Jahr zurückzugewinnen. Eine Rückeroberung dürfte aber nach jüngsten Anzeichen noch einige Zeit auf sich warten lassen. In der aktuellen Ausgabe der deutschen Wochenzeitung "Spiegel" wird der Chefberater von US-Präsident Barack Obama für den Krieg gegen die IS-Miliz, Brett McGurk, mit den Worten zitiert: "Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass der Vorstoß auf Mossul beginnen kann."

Die Offensive auf Falluja ist umstritten, weil an dieser auch starke schiitische Milizverbände beteiligt sind. In Falluja und der dazugehörigen Provinz Anbar leben jedoch vor allem Sunniten. Die Spannungen zwischen den beiden großen Konfessionen sind im Irak seit langem groß, weil sich die sunnitische Minderheit von der schiitischen Bevölkerungsmehrheit diskriminiert fühlt. Davon profitiert die sunnitische IS-Miliz, die sich den Unmut zunutze macht.

Bagdad erneut Ziel einer Anschlagsserie

Auch in Syrien hatte der IS große Landesteile eingenommen. Am Montag geriet die Organisation aber in der Nähe ihrer De-facto-Hauptstadt Raqqa in Bedrängnis. Ein von den USA unterstütztes Milizenbündnis nahm die Region rund um Tabqa ins Visier, das 60 Kilometer von Raqqa entfernt am Fluss Euphrat liegt.

Die irakische Hauptstadt Bagdad wurde unterdessen am Montag erneut Ziel einer Anschlagsserie, bei der nach unterschiedlichen Angaben 14 bis 20 Menschen getötet und bis zu 50 verletzt wurden. Wer hinter den Taten stand, war zunächst unklar. Zuletzt hatte der IS die Verantwortung für zahlreiche Attentate in und um Bagdad übernommen. (APA, 30.5.2016)

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