Alaba hat in Frankreich "viel vor"

29. Mai 2016, 20:31
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Das österreichische Fußballteam hat die erste Vorbereitungsphase auf die EM abgeschlossen und die Schweiz verlassen. Marcel Koller konnte aus dem Vollen schöpfen. Das Pech scheint abgeschafft zu sein

Marcel Koller möchte den "Teufel nicht an die Wand malen", aber die Vorbereitung auf die EM verläuft unfallfrei, sie grenzt an Perfektion. Keine Verletzten, positive Stimmung, Harmonie pur, die Woche in den Graubündener Bergen hat den Sinn quasi übererfüllt. Im Vergleich zur österreichischen Fußballnationalmannschaft sind die (das) Heidi und der Geißen-Peter Streithanseln. Kicken können sie auch nicht.

Koller: "Ich war sehr zufrieden mit dem Einsatz: Die Spieler hatten Freiheiten, konnten sich wieder rantasten, so soll es weitergehen. Wir schöpfen aus dem Vollen." Die zweite Phase beginnt mit dem Test am Dienstag in Klagenfurt gegen Malta, es wurden erst 13.000 Karten verscherbelt. Koller ersuchte die Medien, "Werbung zu machen und das Stadion vollzuschreiben oder vollzureden". Er überschätzt mitunter die Macht der Medien. Am 4. Juni in Wien gegen die Niederlande wird sein Wunsch aber in Erfüllung gehen.

Gegner Portugal, nicht Ronaldo

Am Samstagabend wurde das Finale der Champions League im TV geschaut, das Interesse galt Cristiano Ronaldo, er und Portugal sind in Frankreich der zweite Gruppengegner. Koller wollte den Eindruck, dass der Superstar einen ausgelaugten Eindruck hinterlassen hat, nicht bestätigen. "Außerdem ist Portugal nicht Ronaldo, man darf nicht alle Augen auf einen Einzelnen richten." David Alaba stimmte dem zu. "Ronaldo ist für mich der Weltbeste, er braucht nicht viele Momente, um ein Spiel zu entscheiden. Aber der Gegner ist Portugal." Alaba ist erst am Freitag in Laax eingetroffen, er war der Nachzügler. Die Saison mit Bayern München sei natürlich anstrengend gewesen, trotzdem fühle er sich fit und zu neuen Taten bereit. "Ich bin frei im Kopf, froh, wieder beim Team zu sein, das ist wie eine Familie. Ich habe gelernt, mit Druck und hohen Ansprüchen umzugehen. Ich bin Fußballer geworden, um ständig gefordert zu werden."

Bei Koller darf der 23-Jährige seine Lieblingsrolle im zentralen Mittelfeld ausfüllen, die Bayern nützen Alabas Vielseitigkeit eher für andere Positionen, Tormann und Mittelstürmer exklusive. In Frankreich hat er jedenfalls "viel vor". Als gläubigen Menschen imponiert ihm die Geschichte von David und Goliath. Welchen Part Österreich einnimmt, vermag Alaba aber nicht zu beurteilen. "Für viele stehen wir nicht ganz oben auf dem Zettel."

Lernen, lernen, popernen

Koller lehnt Prognosen strikt ab, er bezeichnet die EM nicht als "Reifeprüfung". Es gehe immer um Prinzipielles. "Die Aufgabe ist es, die Spieler so weit zu bringen, dass sie die Kleinigkeiten auf ihrer Seite haben, sie positiv umsetzen. Es werden enge Partien sein. Bringst du die nötige Ruhe und Gelassenheit auf, um in entscheidenden Momenten das Richtige zu tun, kann man es Reifeprüfung nennen." Richtig gegen Malta wäre es, Druck zu erzeugen "und Wege finden, um die Mauer niederzureißen". Die Niederländer wiederum werden, sagt Koller, "das Gegenteil sein. Sie spielen frech auf. Da müssen wir andere Tugenden auf den Platz bringen."

Der Teamchef hat bereits 62 Videos über die EM-Gegner Ungarn, Portugal und Island analysiert. "Ich hoffe, es kommen einige Länder dazu." Nach der EM wird der Schweizer in Laax urlauben, die Seele baumeln lassen. Die Kollers besitzen in der Gegend ein Feriendomizil. "Je später, desto besser. Ich möchte richtig müde sein." (Christian Hackl aus Laax, 29.5.2016)

  • David Alaba hat bei Marcel Koller viele Freiheiten und seine liebste Rolle im zentralen Mittelfeld sicher.
    foto: apa/jäger

    David Alaba hat bei Marcel Koller viele Freiheiten und seine liebste Rolle im zentralen Mittelfeld sicher.

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