Wrabetz: Grasl soll sich "nicht in irgendwas hineinreiten lassen"

23. Juni 2016, 08:27
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ORF-Chef glaubt, dass zwei Drittel der Stiftungsräte hinter ihm stehen – Grasl-Kandidatur gäbe "Hahnenkämpfe zum Gaudium einiger"

Wien – ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gibt sich vor der ORF-Wahl am 9. August siegessicher, den Chefsessel zum dritten Mal en suite erobern zu können. Im Interview mit der "Kleinen Zeitung" vom Sonntag sagte Wrabetz über die 35 Stiftungsräte, die über den ORF-Chef entscheiden werden: "Im persönlichen Gespräch haben mir mehr als zwei Drittel der Stiftungsräte von allen Seiten zu verstehen gegeben, dass eine Verlängerung meiner Geschäftsführung gut wäre."

Noch bedeckt hält sich bis dato ORF-Finanzdirektor Richard Grasl, ob er gegen den amtierenden Generaldirektor in den Ring steigen wird. Eine Kandidatur Grasls kommentiert Wrabetz in der "Kleinen Zeitung" so: "Er hat mir diesbezüglich nichts gesagt, und wir arbeiten auch so gut zusammen, als gäbe es diese Frontstellung nicht. Daher hoffe ich, dass er sich nicht in irgendetwas hineinreiten lassen wird – ich mache mir dabei keine Sorgen über den Ausgang, sondern über die Diskussion darüber. Das wären dann Hahnenkämpfe zum Gaudium einiger, aber sicher nicht des Publikums. Das würde ein schlechtes Bild abgeben."

Knappe Mehrheitsverhältnisse im Stiftungsrat

Das Ringen um die Wahl der neuen ORF-Führung geht jetzt in die heiße Phase. Der von der SPÖ unterstützte Wrabetz hat seine Wiederbewerbung bereits im Dezember angekündigt. Der von der ÖVP favorisierte Grasl wollte Spekulationen über eine Kandidatur bisher nicht kommentieren. 18 Stimmen sind im Stiftungsrat für eine Mehrheit notwendig.

Die SPÖ kann derzeit auf 13 Vertreter zählen, der ÖVP-"Freundeskreis" auf 14. FPÖ, Grüne, Neos und Team Stronach haben je einen Stiftungsrat. Der von BZÖ/FPK bestellte und von der SPÖ-geführten Landesregierung bestätigte Kärntner Stiftungsrat sowie drei Unabhängige komplettieren das Gremium. Für die ORF-Wahl bedeutet diese Konstellation äußerst knappe Mehrheitsverhältnisse. (red, APA, 29.5.2016)

  • Der eine tritt fix zur ORF-Wahl an, der andere hält sich noch bedeckt: Alexander Wrabetz (links) und Richard Grasl.
    foto: apa/georg hochmuth

    Der eine tritt fix zur ORF-Wahl an, der andere hält sich noch bedeckt: Alexander Wrabetz (links) und Richard Grasl.

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    grafik: apa
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