Internet-Konkurrenz macht Autohändlern in Deutschland zu schaffen

29. Mai 2016, 17:03
posten

Studie: Seit dem Jahr 2000 Zahl der selbstständigen Autohändler mehr als halbiert – Automarkt gesättigt

Immer mehr Autohändler werfen in Deutschland wegen der Internet-Konkurrenz und des allgemein hohen Preisdrucks das Handtuch. Die Zahl der selbstständigen Autohäuser sei 2015 um 400 auf 7.400 gesunken, heißt es in einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). Im Jahr 2000 waren es mit 18.000 noch mehr als doppelt so viele.

Ein weiterer Grund für den Trend sei, dass der Automarkt in Deutschland weitgehend gesättigt sei – dass also nur noch wenig Potenzial da ist für bessere Autoverkäufe.

Vor allem kleine Autohändler geben auf. Dagegen steigt die Bedeutung von Branchengrößen wie etwa der Stuttgarter Emil-Frey-Gruppe mit einem Umsatz von zuletzt 1,77 Mrd. Euro Jahresumsatz oder der Augsburger Avag-Holding mit 1,57 Mrd. Euro Jahresumsatz.

Vor- wie Nachteile

Aus Sicht vom IFA-Chef Willi Diez bietet der Konzentrationsprozess Vor- und Nachteile für den Verbraucher. "Das ist wie früher mit den Tante-Emma-Läden", sagt er. Diese seien zwar klein gewesen, aber praktisch um die Ecke. "Inzwischen fahren viele Verbraucher zum Einkauf in den großen Supermarkt in städtischen Randlagen – der ist zwar weiter weg, aber die Auswahl ist größer."

Der Trend wird sich dem Professor zufolge verstärken, 2020 werden es in Deutschland nach seiner Einschätzung noch etwa 4.500 Autohändler sein. "Große Handelsketten, sogenannte Mega-Dealer, werden mit einem weit gestreuten Netz an eigenen Filialen den Markt beherrschen." Damit glichen sich die Strukturen der Autohandelsbranche immer stärker an den klassischen Einzelhandel an, der beispielsweise von Supermarkt-Riesen wie Rewe, Edeka, Aldi und Lidl dominiert wird.

Konzentrationsprozesse

Das Kraftfahrzeugsgewerbe in Deutschland beschäftigte den Angaben zufolge Ende des vergangenen Jahres 460.800 Menschen und damit 1.200 weniger als ein Jahr zuvor. Als einen Grund für den Rückgang nennen die Ifa-Autoren besagten Konzentrationsprozess bei den Autohäusern.

Bei den in der Studie analysierten Autohäusern geht es um Firmen, die rechtlich selbstständig sind, aber mit den Herstellern eng zusammenarbeiten. Die deutschen Autokonzerne selbst sind beim Autohandel wenig vertreten.

So baute Daimler das Netz seiner eigenen Niederlassungen deutlich ab, von 158 herstellereigenen Standorten wurden 63 verkauft. Das reine Verkaufsgeschäft ist aus Sicht der Autobauer wenig lukrativ, es zählt zudem nicht zur Kernkompetenz der Konzerne. (APA, 29.5.2016)

Share if you care.