Hamilton krönt sich im fürstlichen Regen

29. Mai 2016, 16:06
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Der Mercedes-Pilot holt in Monaco den Sieg vor Ricciardo und Perez. WM-Leader Rosberg belegt am Ende nur Rang sieben

Monte Carlo – Der Brite Lewis Hamilton hat nach sieben Monaten wieder ein Formel-1-Rennen gewonnen. Der Weltmeister im Mercedes setzte sich am Sonntag in Monaco vor Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo und Sergio Perez im Force India durch. Hamiltons 44. Karriereerfolg, der zweite in Monte Carlo, verdankte sich aber auch einem unerklärlichen Boxen-Fauxpas der Red-Bull-Crew.

"Für diesen Tag habe ich gebetet"

Für Hamilton war es der erste Sieg seit dem Grand Prix von Austin, wo er am 25. Oktober des Vorjahres seinen dritten WM-Titel auch rechnerisch fixiert hatte. Acht erfolglose Versuche und ein Haufen technischer Pannen und eigener Unzulänglichkeiten lagen dazwischen. In seiner Wahlheimat hatte Hamilton bereits 2008 gewonnen.

"Ehrlich gesagt, fehlen mir ein bisschen die Worte. Für diesen Tag habe ich gebetet", stammelte der 31-Jährige, der beim Aussteigen aus seinem Dienstwagen Gratulationen von Popsänger Justin Bieber im Empfang nahm. In der WM-Gesamtwertung reduzierte Hamilton den Rückstand auf seinen Teamkollegen Nico Rosberg, der nur Siebenter wurde, von 43 auf 24 Punkte. Dritter ist Ricciardo mit 40 Zählern Rückstand.

Nachdem er Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel bravourös in Schach gehalten hatte, brachte der Mexikaner Perez auf zeitweise nasser Fahrbahn seinen insgesamt sechsten Podestrang in der Motorsport-Königsklasse nach Hause. Fernando Alonso holte im McLaren-Honda als Fünfter das beste Ergebnis für den britisch-japanischen Rennstall seit dem Grand Prix von Ungarn 2015, als der Spanier ebenfalls auf Platz fünf gelandet war.

Rosberg "wie auf rohen Eiern"

Rosberg, dem Probleme mit der Temperatur der Bremse zu schaffen machten, wurde in der letzten Kurve noch von Perez-Teamkollege Nico Hülkenberg überholt. "Ich habe mich einfach gefühlt wie auf rohen Eiern da draußen", sagte der enttäuschte WM-Spitzenreiter. Barcelona-Sieger Max Verstappen zerstörte seinen Red Bull wie schon im Qualifying am Samstag in der Casino-Kurve.

Für Hamilton machten sich beim Wechsel von Regen auf Sonnenschein ein taktischer Schachzug und eine Mercedes-Order bezahlt. Im Einklang mit den meisten Prognosen gingen an der französischen Riviera schon Stunden vor dem Rennstart mehr oder weniger kräftige Schauer nieder. Die Fahrer zogen Regenreifen auf, es wurde hinter dem Safety Car gestartet. Sieben Runden führte der Deutsche Bernd Mayländer an seinem 45. Geburtstag das Feld an. Im weiteren Verlauf trocknete die Strecke fast vollständig auf.

Als einziger der Spitzenfahrer entschied sich Hamilton zum direkten Wechsel von den Regenreifen auf die Ultrasoft-Reifen, verzichtete also auf die Intermediates. Weil der vor ihm auf Platz zwei fahrenden Rosberg bedeutend langsamer war, gab die Box in der 16. Runde per Funk durch, der Deutsche müsse Hamilton vorbei lassen. In der Folge zogen der Brite und Pole-Position-Mann Ricciardo davon, während Rosberg das Tempo nicht halten konnte und zurückfiel.

Fehler von Red Bull

Eine dramatische Wendung nahm der Kampf um den Sieg kurz vor der Halbzeit, als Red Bull den zweiten Reifenwechsel von Ricciardo verpatzte. Der Führende bog in die Boxengasse ein, doch seine Crew hatte den passenden Satz noch nicht bereit. 13,6 Sekunden dauerte das Manöver, wodurch Hamilton auf der Strecke an dem Australier vorbeizog.

"Sie haben mich reingerufen, sie hätten eigentlich bereit sein sollen. Das tut weh", kritisierte Ricciardo, während Red-Bull-Berater Helmut Marko nur sein Mitgefühl ausdrücken konnte. "Wir haben dem armen Ricciardo den Sieg vermasselt", meinte der Steirer im ORF-Interview. "Wenn man den Speed hat und alles ist bereit für einen leichten Sieg, dann darf so etwas nicht passieren." Letztlich habe es sich wohl um ein Kommunikationsproblem im Boxen-Gefüge gehandelt, räumte Marko ein.

So entwickelte sich in der zweiten Hälfte des Rennens an vorderster Front ein Abnutzungskrieg. Ricciardo, der mit der Supersoft-Mischung unterwegs war, ritt mehrere Attacken gegen Hamilton. Bei einem Überholversuch kürzte der Brite in Kurve 11 über die Randsteine ab, was seinen Hintermann hörbar wütend machte. "Was zum Teufel war das?", schimpfte der 26-Jährige. Die Rennleitung nahm aber nach einer Untersuchung von einer Bestrafung Abstand, da es keinen Zeitgewinn für Hamilton gegeben habe.

Crash von Verstappen

In der Schlussphase ließen die Reifen von Ricciardo merklich nach und er konnte nicht mehr zulegen. Hamilton, der im Vorjahr den Sieg aufgrund einer verhängnisvollen Durchsage aus der Box verpasst hatte, war der Triumph nicht mehr zu nehmen. "Das war genau das Ergebnis, das der Doktor verordnet hat", meinte Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff zufrieden. "Der Hamilton ist ein super Rennen gefahren", analysierte Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda staubtrocken. Warum Ricciardo aber über die meiste Zeit das schnellere Auto gehabt habe, werde man sich anschauen müssen, so Wolff.

Ohne glückliches Ende blieb die Aufholjagd von Verstappen im zweiten Red Bull. Zwei Wochen nach seinem Sieg in Spanien hatte der jüngste Grand-Prix-Gewinner der Geschichte das Rennen in Monte Carlo als Letzter aus der Boxengasse in Angriff nehmen müssen. In der 35. Runde schlug er hart an der Mauer auf und zerstörte sich die Radaufhängung.

Der Finne Valtteri Bottas im Williams hat nachträglich wegen einer Behinderung des Haas des Mexikaners Esteban Gutierrez in der letzten Kurve des Rennens eine 10-Sekunden-Strafe kassiert. Damit fiel er hinter den Mexikaner auf Rang zwölf des Endklassements zurück.

Der Schwede Marcus Ericsson im Sauber und der Russe Daniil Kwjat im Toro Rosso müssen in der Startaufstellung des Grand Prix von Kanada drei Plätze hinter dem jeweiligen Qualifying-Ergebnis starten. Ericsson wurde wegen einer Kollision mit seinem brasilianischen Teamkollegen Felipe Nasr bestraft, Kwjat wegen einer Kollision mit dem Renault des Dänen Kevin Magnussen. (APA, 29.5.2016)

Ergebnis: GP von Monaco

  • Lewis Hamilton macht's.
    foto: reuters/gaillard

    Lewis Hamilton macht's.

  • Der Engländer in und am Ziel.
    foto: apa/afp/guyot

    Der Engländer in und am Ziel.

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