Apple-Store-Mitarbeiter: Todesdrohungen von Kunden "nicht selten"

1. Juni 2016, 09:53
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Ein anonymer Ex-Angestellter gibt Einblicke in Arbeitspraxis und Apple-"Kult"

Die Geheimhaltungsvorschriften bei Apple ziehen sich bis in die untersten Ebenen des Riesenkonzerns durch. Auch Mitarbeiter der Apple Stores müssen vertraglich zusichern, nichts über ihren Arbeitsalltag auszuplaudern. Sie können sogar entlassen werden, wenn sie ein Selfie mit ihrer Arbeitskleidung posten. Das enthüllt nun ein anonymer Ex-Mitarbeiter, der "Business Insider" ein langes Interview über seine Erlebnisse gegeben hat. Er soll von 2011 bis 2015 in einem britischen Apple Store gearbeitet haben – und erzählt von positiven wie ungleich mehr negativen Erfahrungen.

"Kult"

So bestätigt der ehemalige Mitarbeiter das Klischee, Apple sei eine Art IT-Sekte: In den Tagen nach dem Tod von Firmengründer Steve Jobs 2011 kamen wildfremde Kunden in den Store, um sich mit den Mitarbeitern über die Nachricht zu unterhalten. Auch die Mitarbeiter selbst waren wochenlang geknickt, die schimmernden Apple-Logos gedimmt worden. Wer Steve Jobs war, wussten natürlich alle Mitarbeiter: Sie müssen sich einem harten Auswahlverfahren stellen und unter anderem Fragen zur Biografie von Jobs beantworten.

Mitarbeiter nehmen Schulden für iPhones auf

Dafür winkt ein Job, der etwas besser als ähnliche Stellen im Einzelhandel bezahlt wird. Mit sieben Pfund (9,20 Euro) Stundenlohn kann ein Mitarbeiter des Stores dennoch keine großen Sprünge machen. Die Mehrzahl der Mitarbeiter hätte sich die meisten Apple-Produkte privat gar nicht leisten können, erzählt der Ex-Angestellte. Da es sich bei den rekrutierten Personen aber oft um eingefleischte Fans handle, haben sich einige Store-Mitarbeiter verschuldet, um die neuesten Gadgets erwerben zu können. Ein Store-Manager habe sogar wieder zu seinen Eltern ziehen müssen, da er sich die Miete für nahe zum Store gelegene Wohnungen nicht leisten konnte. Perfid ist da, dass Apple-Angestellten als "Bonus" ein vergünstigter Erwerb von Apple-Aktien angeboten wird.

Keine Boni

Die Mitarbeiter bekommen aus Prinzip keine Boni. Das ist einerseits gut, lobt der ehemalige Angestellte, weil Kunden so nicht aggressiv "überredet" werden, teurere Produkte zu kaufen. Unfair sei es allerdings schon, wenn Business-Kunden davon überzeugt werden, Geräte im Wert von mehr als hunderttausend Euro zu kaufen – und der Betreuer des Unternehmens davon keine Provision abbekommt. Außerdem gibt es, dieser Philosophie entgegenlaufend, doch einen Erwartungsdruck, eine bestimmte Anzahl von Geräten und Services an den Kunden zu bringen.

Wütende Kunden

Der Austausch mit Apple-Fans sei dabei alles andere als angenehm, offenbart der ehemalige Mitarbeiter. Todesdrohungen seien "keine Seltenheit". Einmal täglich gebe es eine zumindest "unangenehme" Situation. Ein Kunde habe einmal gedroht, den Mitarbeiter zu überfahren, weil dieser auf eine abgelaufene Garantie hingewiesen hatte. Das Management des Stores koordiniere sich regelmäßig mit der Polizei, um Mitarbeiter zu schützen.

Prinzipiell sieht der ehemalige Store-Arbeiter seine Tätigkeit kritisch. Er lobt allerdings die nette Belegschaft ebenso wie die persönliche Note des Managements. Oftmals bekommen Mitarbeiter sogar Antworten, wenn sie CEO Tim Cook anschreiben. Apple wollte die Aussagen gegenüber "Business Insider" nicht kommentieren. (red, 1.6.2016)

  • Apple-Mitarbeiter dürfen etwa keine Selfies in Arbeitskleidung machen.
    foto: apa/afp/getty/sullivan

    Apple-Mitarbeiter dürfen etwa keine Selfies in Arbeitskleidung machen.

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