Brasilien: Proteste nach Vergewaltigung 16-Jähriger durch 30 Männer

28. Mai 2016, 08:33
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Video der Tat wurde ins Internet gestellt – Staatschef Temer will Sonderabteilung zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen

Rio de Janeiro – Die Gruppenvergewaltigung einer 16-Jährigen hat in Brasilien Entsetzen und Proteste ausgelöst. Die Polizei nahm nach Angaben vom Freitag Ermittlungen auf, nachdem ein Video der Tat im Internet aufgetaucht war. Der am Mittwoch veröffentlichte Handy-Film zeigt, wie die Jugendliche auf einem Bett liegt. Eine männliche Stimme sagt, sie sei von mehr als 30 Männern vergewaltigt worden.

Die 16-Jährige, Mutter eines dreijährigen Kindes und laut Presseberichten drogenabhängig, sagte bei der Polizei aus, sie sei von 33 bewaffneten Männern in einem Armenviertel im Westen von Rio de Janeiro sexuell missbraucht worden. Die Vergewaltigung soll im Mai stattgefunden haben.

Vier Verdächtige ausfindig gemacht

Der Polizeichef von Rio, Fernando Veloso, sagte am Freitag bei einer Pressekonferenz, es gebe starke Hinweise darauf, dass die junge Frau vergewaltigt worden sei. "Wir können nicht sagen, ob es 30, 33 oder 36 Angreifer gab", fügte er hinzu. Dies würden die Ermittlungen zeigen. Die Polizei habe bisher vier Verdächtige ausfindig gemacht, die "direkt oder indirekt" beteiligt gewesen sein sollen.

Der brasilianische Übergangspräsident Michel Temer verurteilte die Tat aufs Schärfste. "Es ist absurd, dass wir im 21. Jahrhundert mit solchen barbarischen Straftaten leben sollen", sagte er. Temer zufolge berieten Behördenvertreter bereits über neue Maßnahmen, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern. Der Staatschef will laut der Zeitung "O Globo" eine Sonderabteilung bei der Bundespolizei zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen schaffen.

Tausende Internetnutzer machten mit dem Slogan "Ich kämpfe für ein Ende der Vergewaltigungskultur" ihrer Empörung über die Tat Luft. Das Opfer bedankte sich im Online-Netzwerk Facebook für die Anteilnahme in der Bevölkerung. Über die Folgen der Tat sagte sie, diese bereite ihr "mehr Schmerzen in der Seele als im Unterleib".

Alle elf Minuten

"O Globo" sagte die 16-Jährige: "Als ich aufwachte, waren da 33 Burschen." Sie hatte sich zu Hause vor einer Woche verabschiedet und gesagt, sie gehe mit Freunden feiern und war erst Tage später verstört wieder aufgetaucht – in Männerkleidung und ohne Handy. Von Nachbarn wurde die Familie auf das im Internet kursierende Video der mutmaßlichen Vergewaltigung hingewiesen. Eltern und Großeltern brachten das Mädchen in ein Krankenhaus.

In der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro finden im August die Olympischen Sommerspiele statt. Die Stadt ist bekannt für ihre hohe Zahl von Gewaltverbrechen. Sexuelle Gewalt ist ein landesweites Problem. Im Jahr 2014 verzeichnete die brasilianische Polizei laut einer Nichtregierungsorganisation alle elf Minuten einen sexuellen Übergriff. (APA, red, 28.5.2016)

  • Proteste in Rio de Janeiro.
    foto: apa / afp / vanderlei almeida

    Proteste in Rio de Janeiro.

  • "Vergewaltigungskultur beenden", heißt es etwa auf den Plakaten.
    foto: ap photo / leo correa

    "Vergewaltigungskultur beenden", heißt es etwa auf den Plakaten.

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