Flüchtlinge im Mittelmeer: Europa passt besser auf

Kommentar27. Mai 2016, 17:04
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Die hohe Zahl an geretteten Menschen zeigt, dass die Überwachungs- und Rettungsmechanismen funktionieren

Mehr als 8.000 Menschen wurden in dieser Woche im Mittelmeer aus Seenot gerettet, 4.000 allein am Donnerstag. Damit scheint festzustehen: Die "Mittelmeer-Route" gewinnt wieder an Bedeutung. Und mit ihr drohen die Differenzen zwischen Italien und seinen Nachbarn wieder virulent zu werden. Doch jetzt die Grenze am Brenner "dichtzumachen" wäre bloß kurzsichtiges politisches Kalkül. Der Wahlkampf ist vorbei, eine solche Symbolpolitik wäre wohl eher destruktiv als zielführend.

In Rom weiß man, was auf Italien zukommen kann: Die EU-Marinemission Sophia versichert, die Lage im Griff zu haben, solange die innenpolitische Lage in Libyen nicht "außer Rand und Band gerät", so Kommandant Enrico Credendino. Auch die EU-Kommission sieht in den aktuellen Zahlen keine wesentliche Steigerung zu jenen von 2015.

Natürlich muss Europa – nicht nur Italien – darauf vorbereitet sein, dass der EU-Türkei-Flüchtlingsdeal noch platzt und sich dann eine neu zu bewertende Lage entwickelt. Bisher allerdings beweist die hohe Zahl an geretteten Menschen innerhalb weniger Tage nur, dass die Überwachungs- und Rettungsmechanismen zu funktionieren scheinen. Das ist die Hauptsache. Und die aktuelle Diskussion um die Ausweitung der Mission Sophia um eine Nato-Komponente sowie Roms Forderung nach EU-Stabilisierungsinitiativen für Nordafrika zeigen, dass man in Europa wachsam geworden ist. (Gianluca Wallisch, 27.5.2016)

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