Finale Fiesta in San Siro

27. Mai 2016, 16:31
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Im 165. Derbi madrileño geht es am Samstag um den Gewinn der Champions League 2015/16. Das Duell zwischen Real Madrid und Atlético Madrid lockt 50.000 Spanier nach Mailand. Ihr König hält es mit dem Außenseiter, sein Vater mit dem Favoriten

Mailand – Sogar die Götter schauen quasi zu, wenn am Samstag in Mailand das Finale der Champions League vom Engländer Mark Clattenburg angepfiffen wird. Die Abbilder von Kybele und Neptun stehen in der lombardischen Metropole für die Siegesfeier bereit. Extra für die "Fiesta in San Siro", die selbst das spanische Königshaus elektrisiert, wurden mehrere Meter hohe Kopien der Glücksbringer der verfeindeten Fangruppen nach Mailand gebracht. Daheim in Madrid pflegen die Aficionados von Real Triumphe am Brunnen der kleinasiatischen Göttermutter, jene von Atlético am Brunnen des Meeresgottes zu feiern. Gewinnen kann die Neuauflage des Endspiels von 2014, das Real nach Verlängerung mit 4:1 für sich entschied, aber natürlich nur einer.

Ronaldos Oberschenkel

"Ein Scheitern kommt mir gar nicht in den Sinn", sagte Reals Superstar Cristiano Ronaldo. "Wir werden gewinnen." Während Atlético auf die Revanche für das Finale von Lissabon brennt, wollen die Königlichen um ihren 31-jährigen Torgaranten (51 Treffer in 47 Saisonpflichtspielen) unbedingt "La Undecima" – den elften Titel in der Königsklasse, der einzig und allein über die neuerlich verpasste Meisterschaft hinwegtrösten kann. Noch aber bereitet der rätselhafte Gesundheitszustand des dreimaligen Weltfußballers Sorgen. Wie vor zwei Jahren plagt sich Ronaldo mit Problemen herum, dieses Mal ist es der Oberschenkel. Spielen wird er in Mailand wohl, die Frage ist nur, in welcher Verfassung.

Auf dem Papier geht Real als Favorit in die Partie, die in 220 Länder übertragen wird. Atlético, das Titelverteidiger FC Barcelona und den FC Bayern aus dem Bewerb entfernte, aber noch nie die Königsklasse gewann, hat den Stadtrivalen in der jüngeren Vergangenheit zwar oft genug geärgert, unter anderem mit dem Meistertitel vor zwei Jahren, liegt aber in einer Gesamtbilanz mit 40:89-Siegen bei 35 Unentschieden zurück. In der verwichenen Saison der Primera División musste sich Atlético daheim im Estadio Vicente Calderón mit einem 1:1 begnügen, siegte dafür aber im Estadio Santiago Bernabéu mit 1:0.

Rund 50.000 Madrider lasten sämtliche Hotels in Mailand aus, der spanische König Felipe VI. hat keine Unterbringungsprobleme, aber als Anhänger von Atlético Zores mit seinem Vater und Vorgänger Juan Carlos I., der ein glühender Fan von Real ist.

Könige auf ihre Art sind die beiden Trainer – Diego Simeone (46), jener von Atlético, quasi der König der Fußballarbeiterschaft, Kollege Zinédine Zidane (43) jener der Fußballkünstler. Der frühere Anführer der legendären ersten Galaktischen hatte die Königlichen erst zu Jahresbeginn übernommen und mit 21 Siegen aus 26 Spielen in die Erfolgsspur zurückgeführt. Druck verspürt der ehemalige Weltfußballer – er schoss Real 2002 in Glasgow zum neunten Titel im Meistercup – dennoch. Geht Real als Verlierer vom Feld, ist die titellose Saison Tatsache. Dies verhindern helfen soll auch die nicht schwache Siegesprämie von 600.000 Euro pro Mann und Nase.

Druck der Geschichte

Simeone ist in seinem Element. "Ich liebe es, wenn das Gewicht der Geschichte auf mir liegt. Ich blühe unter Druck auf", sagte der Argentinier, der als dritter nichteuropäischer Coach nach seinen Landsleuten Luis Carniglia (Real, 1958) und Helenio Herrera (Inter, 1965) den wichtigsten Europacup gewinnen kann. (sid, lü, 27.5.2016)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen zum Finale der Fußball-Champions-League am Samstagabend (20.45 Uhr/live ORF eins, ZDF, Sky) in Mailand:

Real Madrid – Atletico Madrid (Mailand, San Siro, SR Clattenburg/England)

Real: Navas – Carvajal, Pepe, Ramos, Marcelo – Modric, Kroos, Casemiro – Bale, Benzema, C. Ronaldo

Ersatz: Casilla – Nacho, Isco, Kovacic, J. Rodriguez, Vazquez, Jese

Es fehlen: Varane (Oberschenkelverletzung), Arbeloa (Knieproblem)

Atletico: Oblak – Juanfran, Savic, Godin, Filipe Luis – Saul, Gabi, Augusto, Koke – Griezmann, F. Torres

Ersatz: Moya – Gimenez, Lucas, Partey, O. Torres, Carrasco, Vietto, Correa

Es fehlt: Tiago (Trainingsrückstand)

Der Weg ins Finale:

Real in Gruppe: Schachtar Donezk 4:0 (h), 4:3 (a), Malmö FF 8:0 (h), 2:0 (a), Paris St. Germain 1:0 (h), 0:0 (a) – Gruppen-Erster mit 16 Punkten/19:3 Toren

Achtelfinale: AS Roma 2:0 (a), 2:0 (h)

Viertelfinale: VfL Wolfsburg 0:2 (a), 3:0 (h)

Halbfinale: Manchester City 0:0 (a), 1:0 (h)

Atletico in Gruppe: Galatasaray 2:0 (h), 2:0 (a), Benfica Lissabon 1:2 (h), 2:1 (a), FK Astana 4:0 (h), 0:0 (a) – Gruppen-Erster mit 13 Punkten/11:3 Toren

Achtelfinale: PSV Eindhoven 0:0 (a), 0:0, 8:7 i.E. (h)

Viertelfinale: FC Barcelona 1:2 (a), 2:0 (h)

Halbfinale: FC Bayern München 1:0 (h), 1:2 (a)

  • Auf solche Ideen kann nur die Madrider Stadtverwaltung kommen. Sie ließ Aschenbecher in Form von Wahlurnen aufhängen, um quasi Rauchern die Möglichkeit zu geben, für Atlético oder Real zu voten.
    foto: apa/afp/julien

    Auf solche Ideen kann nur die Madrider Stadtverwaltung kommen. Sie ließ Aschenbecher in Form von Wahlurnen aufhängen, um quasi Rauchern die Möglichkeit zu geben, für Atlético oder Real zu voten.

  • Hipster-Kicker: Sergio Ramos.
    foto: apa/afp/cacace

    Hipster-Kicker: Sergio Ramos.

  • Der Pokal steht in San Siro bereit.
    foto: reuters/kopczynski

    Der Pokal steht in San Siro bereit.

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