Google-Daten verraten Trends auf dem Arbeitsmarkt

27. Mai 2016, 15:22
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Finnische Forscher haben ein Werkzeug entwickelt, um Entwicklungen auf dem Jobmarkt schneller zu prognostizieren

Wien – Wendepunkte auf dem Arbeitsmarkt sollen in den Ländern der EU künftig schneller erkannt werden können. Wissenschafter des finnischen Wirtschaftsforschungsinstituts ETLA haben ein Analysetool entwickelt, mit dem sich anhand der Auswertung von Google-Suchanfragen rund um Begriffe zum Thema Arbeitslosigkeit tagesaktuelle Prognosen zur aktuellen und künftigen Entwicklung des Arbeitsmarkts erstellen lassen.

Dass es einem Unternehmen schlecht geht, erfährt die Öffentlichkeit oft erst, wenn Arbeitnehmer im Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice (AMS) angemeldet werden. Vielen Mitarbeitern war die missliche Lage ihrer Firma aber schon davor bekannt, sie haben sich im Internet bereits nach einer anderen Arbeitsstätte umgeschaut. Derartige Google-Suchen können, so die Projektgrundlage, Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt früher als bisher erkennen lassen. Bisherige Schätzungen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit greifen auf Daten aus der offiziellen Statistik zurück, die mit einer gewissen Zeitverzögerung veröffentlicht wird und daher nur die Vergangenheit abbildet.

Breite Partnerschaft

Das Projekt wird von 29 Analyseeinrichtungen unterstützt, Partner in Österreich ist das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Und so wird sich die Arbeitslosenrate in Österreich laut dem Prognosetool "ETLA now" in den nächsten Monaten entwickeln: Im Juni liegt sie bei 5,49 Prozent (minus 0,11 Prozentpunkte), im Juli bei 5,66 Prozent (plus 0,06) und im August bei 5,49 Prozent (minus 0,01). Die jeweiligen Veränderungen beziehen sich auf den Vorjahresmonat; prognostiziert wird die Arbeitslosenquote nach dem Standard der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), den die EU für Ländervergleiche heranzieht.

Die Probe aufs Exempel kann kommende Woche gemacht werden, wenn das AMS die Arbeitsmarktdaten für den Mai bekanntgibt. Der "ETLA now"-Prognose zufolge wird die Arbeitslosenrate bei 5,59 Prozent (minus 0,21) liegen. Für Deutschland wird für den Mai eine Arbeitslosenrate von 4,51 Prozent prognostiziert.

Österreich-Daten zu ungenau

"Da 'ETLA now' auf sehr viel aktuellere und sehr viele Daten zurückgreifen kann, ist das Tool vor allem für kurzfristige Prognosen gut geeignet", meint Dominik Groll vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel zu dem Projektansatz. Noch skeptisch zeigt sich hingegen Marcus Scheiblecker, stellvertretender Wifo-Leiter: "Um Rückschlüsse zu ziehen, sind die Daten zumindest für Österreich zu ungenau." Hierzulande fehle es an verlässlichen Vergleichsdaten, denn die Suche nach Arbeit über das Internet sei, anders als etwa in skandinavischen Ländern, noch im Steigen begriffen. "Wir verlassen uns vorläufig für unsere Prognosen auf harte Fakten, die uns ja vergleichsweise schnell zur Verfügung stehen", sagt Scheiblecker. Dass Prognosetools wie "ETLA now" künftig eine wichtige Rolle auch bei der Vorhersage von Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt spielen werden, hält er aber für durchaus vorstellbar. (kat, 27.5.2016)

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