Masernimpfung: Großer Aufholbedarf in Österreich

27. Mai 2016, 13:52
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Österreich ist unter den Top 3, was die Zahl der Masernausbrüche in Europa betrifft – eine traurige Bilanz, Behörden fokussieren junge Erwachsen, Eltern und Spitalsangestellte

Bis 2015 sollten die Masern Europa-weit eliminiert sein. Stattdessen ist in Österreich vergangenes Jahr die Zahl der Erkrankungen auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen. In Europa hat Österreich (309 Erkrankungen im Jahr 2015) die zweitgrößte Anzahl an Masernfällen pro Million Einwohner. Das zeigt eine neue Bilanz der Experten des Departements für Virologie der Med-Uni Wien.

"Mit einer Zahl von insgesamt 309 Masernfällen, die im nationalen Masern Surveillance System erfasst wurden, liegen wir EU-weit (30 EU/EWR Länder Anm.) in Bezug auf die Erkrankungszahlen nach Deutschland und Frankreich auf dem unrühmlichen dritten Platz und in Bezug auf die Erkrankungshäufigkeit mit einer Inzidenz von 35,8 Masernfällen pro einer Million Einwohner sogar auf dem zweiten Platz hinter Kroatien!", so die Wiener Virologin Heidemarie Holzmann.

Masernvirus-Infektionen traten vergangenes Jahr in allen Bundesländern auf. Am stärksten betroffen waren jedoch Niederösterreich, Wien, Oberösterreich und die Steiermark. Von den 309 Masern-Erkrankten in Österreich im vergangenen Jahr waren 71 Prozent nicht geimpft, von 20 Prozent war der Impfstatus unbekannt.

Wer gefährdet ist

Im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen die meisten Erkrankungsfälle in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftraten, waren 2015 praktisch alle Altersgruppen stark betroffen. "Besonders bedauerlich und gefährlich sind neun Infektionen bei Säuglingen unter einem Jahr, die nur durch eine Herdenimmunität hätten vermieden werden können. (...) Somit erkrankten insgesamt 44 Säuglinge und Kleinkinder vor dem fünften Lebensjahr", stellt Holzmann fest.

In dieser Altersgruppe kann es als Spätkomplikation auch zu einer gefürchteten, langsam fortschreitenden Gehirnentzündung (subakut sklerosierende Panenzehalitis) kommen, die unbehandelbar ist und in jedem Fall tödlich verläuft.

Von Masernerkrankungen Betroffene haben nach der Infektion ein langfristig geschädigtes Immunsystem, das sie anfälliger für andere Erkrankungen macht. 7,5 Prozent der Fälle traten vergangenes Jahr in Österreich bei Spitalspersonal auf, das immer einen optimalen Impfschutz aufweisen sollte. Betroffen waren auch Abteilungen für Neonatologie sowie Kinder- und Jugendheilkunde.

Einheimisches Problem

Die Masern kommen in Europa aus Europa, nicht von den Flüchtlingen. "Eine Analyse der Masernfälle nach Herkunftsland durch die Abteilung für Surveillance und Infektionsepidemiologie (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit – AGES; Anm.) ergab, dass kein Fall aus einem Flüchtlings-assoziierten Herkunftsland stammte und diese Gruppe daher diesbezüglich kein zusätzliches Gesundheitsrisiko für die österreichische Bevölkerung darstellte", stellte die Wiener Virologin fest.

Laut den Daten des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) war die Gesamtzahl der Maserninfektionen mit 3.969 im Jahr 2015 etwas höher als im Jahr zuvor (3.616 Fälle). Die weitaus höchsten Erkrankungszahlen wurden aus Deutschland (2.466 Fälle; 62,1 Prozent) gemeldet. Österreich befand sich nach Frankreich (364 Fälle; 9,2 Prozent) mit 309 erfassten Fällen (7,8 >Prozent) an der dritter Stelle, gefolgt vor Italien (247 Fälle; 6,2 Prozent) und Kroatien (219 Fälle; 5,5 Prozent). Somit traten 90,8 Prozent aller Masernerkrankungen in Europa in diesen fünf Staaten auf.

"Damit besteht auch bei uns noch immer keine ausreichende Herdenimmunität, um die Verbreitung dieser höchst ansteckenden Infektion zu verhindern. Nur mit weiteren großen Anstrengungen zur Anhebung der Durchimpfungsrate auf mehr als 95 Prozent kann das Eliminationsziel bis zum Jahr 2020 erreicht werden", stellt Heidemarie Holzmann fest. (APA, 27.5.2016)

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