Deutscher Neonazi-Sänger als "krimineller Ausländer"

27. Mai 2016, 14:50
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Ein vorzeitig aus der Haft entlassener deutscher Neonazi-Sänger tritt nun wieder auf – Einreiseverbot in Österreich

"Ich möchte ein unpolitisches Leben führen und mir in Deutschland was aufbauen" – mit diesen Worten schmückte Neonazi-Liedermacher Philip T. vor zwei Jahren sein Geständnis am Landesgericht Korneuburg aus. Verurteilt wurde er zu drei Jahren Haft wegen NS-Wiederbetätigung und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz, doch wie nun bekannt wurde, kam er 13 Monate später wieder frei und tritt nun in Deutschland wieder auf.

T. wurde bereits am 2. März 2015 vorzeitig entlassen und reiste nach Deutschland zurück. Freitagabend gibt er unter seinem Bühnennamen "Reichstrunkenbold" in einem Thüringer Rechtsextremen-Szenelokal ein Konzert.

Handel mit NS-Devotionalien

Mit seinem rassistischen Lied-Fundus, zu dem auch Loblieder auf Vernichtungslager zählen, tourte T. immer wieder auch in Österreich, im Gepäck fanden sich neben seiner Gitarre auch allerlei Nazi-Devotionalien wie Hakenkreuz-Armbinden, die er illegal verkaufte. Für Aufsehen hatte unter anderem seine Zeugenaussage im Welser-Objekt-21-Wiederbetätigungsprozess gesorgt, die er mit den an die oberösterreichischen Angeklagten gerichteten Grußworten "Lasst euch nicht unterkriegen! Alles für Deutschland!" abschloss.

Warum T. bedingt entlassen wurde, erklärt das zuständige Vollzugsgericht, das Landesgericht Korneuburg, mit einer speziellen Bestimmung für grenzüberschreitende Kriminalität: Der Deutsche sei mit einem Aufenthaltsverbot belegt worden. Sollte er in Österreich nochmal aufgegriffen werden, würde er "sofort in Haft genommen und müsste den Strafrest verbüßen", sagt ein Sprecher des LG Korneuburg auf STANDARD-Anfrage. Bei dem ausländerfeindlichen Propagandamusiker komme eine spezielle Norm zur Anwendung, "die vom Gesetzgeber gemacht wurde, um straffällige Ausländer von Österreich fernzuhalten". (sterk, 27.5.2016)

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