Sarah Moon: Mondsüchtig

2. Juni 2016, 10:50
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Fotografie als Exorzismus: fragil, düster, sublim

"Nichts ist umsonst", deklamiert Künstlerin Sarah Moon empathisch. Sie beschwört für ihren kreativen Prozess eine Art diffuses, aber fieberhaftes Feuer, "man muss durch die Flammen schreiten. Es ist wahr, meist geht etwas schief, Menschen werden zugrunde gerichtet, sie werden von einem Schatten oder einem Übermaß an Licht absorbiert."

Wahrlich, ihre Arbeiten zeichnen sich durch Fragilität aus, durch Überlagerungen an düsteren, sublimen Elementen. Die Anmutung ihrer Bildsprache scheint an den Ursprung der Daguerreotypie, an den Ursprung der Fotografie zurückzukehren. "Wirklichkeit ist oft trügerisch, Geschichten erzählen ist mehr als trösten. Kreatives Schaffen ist ein Exorzismus, es hilft, und im besten Fall erlebst du Freiheit. Schwierig ist es, den Anker zu lichten. Die Art von Wahnsinn existiert in allen imaginären Welten."

Schön ist zu simpel

Die 1941 als Marielle Warin in Vernon geborene Fotografin und Filmemacherin arbeitete und reüssierte zunächst als Mannequin für Chanel und Guy Bourdin. Erst von ihrem Mann Robert Delpire und Henri Cartier-Bresson wurde sie ermuntert, selbst auch hinter der Kamera aktiv zu werden. Als Blumenkind des Swinging London prägte sie eine neue Ära, charakterisiert durch eine Atmosphäre der Leichtigkeit, des Diffusen, des Erratischen. Die Autodidaktin wechselte später auch oft ins Genre der Kinematografie, wie eine Hommage an die Brüder Lumière beweist.

Ihr OEuvre als sphärisch oder gar schön zu bezeichnen wäre viel zu simpel. Faszinierend ist es ohne Zweifel. Absolute Empfehlung! (Gregor Auenhammer, Album, 28.5.2016)

Sarah Moon, "Now and Then". (Hg.: Ingo Taubhorn & Brigitte Woischnik). € 45,- / 160 Seiten. Kehrer-Verlag, Heidelberg 2016

  • Die dunkle Seite des Mondes, das Unvermutete, Unerwartbare, das Unverhohlene, das geheimnisvoll Sinistre zeigt Sarah Moon in ihren bizarren Nachtmeerfahrten.
    foto: aufschlagseite aus sarah moons "now and then", fotografiert von heidi seywald.

    Die dunkle Seite des Mondes, das Unvermutete, Unerwartbare, das Unverhohlene, das geheimnisvoll Sinistre zeigt Sarah Moon in ihren bizarren Nachtmeerfahrten.

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