Antibiotikaresistenter Supererreger im Anmarsch

27. Mai 2016, 09:41
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Bakterien adaptieren sich und werden immun für Angreifer. Gegen einen E.coli-Stamm versagten bei einer Patientin in den USA sämtliche Antibiotika

In den USA ist erstmals ein sogenannter Supererreger entdeckt worden, der gegen alle bekannten Behandlungsmethoden immun ist. Bei einer 49-jährigen Frau aus dem Bundesstaat Pennsylvania sei bei einem Harnwegsinfekt ein E.coli-Bakterium gefunden worden, gegen das kein Antibiotikum geholfen habe, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag mit.

Selbst Colisitin, ein altes Antibiotikum, das bei diesen so genannten Carbapenem-resistenten Enterobakterien (CRE) üblicherweise wirke, habe versagt, erklärte CDC-Chef Thomas Frieden. Unter US-Infektiologen werden die Bakterien auch als "Nightmare Bacteria" bezeichnet. Der Grund für diese Bezeichnung: Diese Bakterien können in 50 Prozent aller Fälle Infizierte umbringen.

Erstmals ist nun in den USA ein Mensch betroffen. Im November 2015 wurde der Keim von britischen und chinesischen Wissenschaftlern in Schweinen, rohem Schweinefleisch und einer kleinen Gruppe von Menschen in China detektiert – die gefährliche Spielart dieses E.coli-Bakteriums hat sich in der Folge auch in Europa ausgebreitet.

Gen modifiziert

Das Bakterium enthält ein Gen, das es immun gegen die Behandlung mit Antibiotika für multiresistente Keime werden lässt. Das besorgt Mediziner. So gelangen E.coli-Bakterien beispielsweise sehr leicht vom Darm in die Harnröhre, wo sie Harnwegsinfekte verursachen.

Was bisher als vergleichsweise harmlose Infektion galt und gut behandelbar war, könnte in Zukunft also lebensbedrohlich werden. Grund für diese Entwicklung ist der sorglose Umgang mit Antibiotika in den letzten 80 Jahren bzw. auch der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. Über die Nahrungskette gelangen Keime so auch zum Menschen. Einige Bakterien haben es geschafft Medikamente auszutricksen, Antibiotikaresistenzen sind aktuell ein großer Anlass zur Sorge.

Die US Gesundheitsbehörde will den Fall in Pennsyslvania nun eingehende untersuchen. Bekannt ist, dass die Patientin nicht außerhalb der USA unterwegs war und sich insofern auch nicht in Asien infizieren konnte. Allerdings soll auch ihr familiäres Umfeld untersucht werden, um festzustellen, ob andere Personen eventuell auch Träger des Super-Erregers sind. Darüber, wie es der Patientin geht, gab das Krankenhaus keine Auskünfte.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte bereits vor einiger Zeit vor einer "Rückkehr in Vor-Antibiotika-Zeiten" gewarnt, in denen sich schon geringfügige Infektionen als tödlich erweisen können. In den USA wurden letztes Jahr deshalb rund 150 Millionen Euro für die Antibiotikaresistenzforschung im Rahmen der CDC bereitgestellt. (APA, 27.5.2016)

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