ÖFB-Team: Wer regeneriert, gewinnt

27. Mai 2016, 10:54
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Die Vorbereitung auf die Fußball-EM verläuft unfallfrei, dafür sorgen auch Teamarzt Richard Eggenhofer und Sportwissenschafter Gerhard Zallinger. Kummer bereitet der noch nicht bespielbare Trainingsplatz in Frankreich

Willi Ruttensteiner, der Sportdirektor des österreichischen Fußballbundes, verlässt am Freitag das beschauliche, angenehm schläfrige Laax, um ins EM-Quartier nach Mallemort zu fliegen. Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch, denn der Trainingsplatz ist immer noch nicht in einem brauchbaren Zustand. Die europäische Fußballunion und die Gemeinde tragen die Verantwortung, es wurde nun ein erfahrener Greenkeeper engagiert, um die Wiese herzurichten beziehungsweise zu retten. Ruttensteiner. "Es kribbelt, aber ich gehe davon aus, dass es klappt." Zum Erfreulichen: Die Duschen in den Zimmern liefern Warmwasser.

Intern läuft jedenfalls alles bestens. Ruttensteiner nannte drei Bedingungen, um in Frankreich erfolgreich zu sein: keine Verletzten, optimale Vorbereitung, hohe Qualität im Betreuerstab. Alle sieht er erfüllt, zu erwähnen wäre auch das "wunderbare Niveau" der Mannschaft. "Sie wird voll da sein." Und zwar am 14. Juni zum Auftakt in Bordeaux gegen Ungarn.

Arzt aus Leidenschaft

Erfolg hat bekanntlich viele Väter und Mütter, wobei es im Fußball nahezu ausschließlich Väter sind. Richard Eggenhofer ist seit 2011 Teamarzt, der 50-jährige Burgenländer war davor für den ÖFB-Nachwuchs zuständig. Er ist Gefäßchirurg, wollte eigentlich Orthopäde werde, bekam keinen Ausbildungsplatz. Zusätzlich hat er das Fach Sportmedizin absolviert. "Das deckt sämtlich Bereiche ab, Psychologie inklusive."

Eggenhofer hat in der Schweiz den Spielern Blut abgezapft, die Werte wurden in die Datenbank gestellt und mit alten Ergebnissen verglichen. Zur Beruhigung: Es passt. Entscheidend sind die Muskel- und Ausdauerparameter, nicht minder bedeutsam sind die Erfolgs- und Belastungsfähigkeiten sowie der generelle Befindlichkeitszustand. Eggenhofer: "Du musst die richtige Balance aus Regeneration und Belastung finden. Das ist eine sehr individuelle Geschichte." Der Arzt spricht sich mit Sportwissenschafter Gerhard Zallinger ab, die beiden sind auf einer Linie.

Wissenschafter aus Leidenschaft

Der 45-jährige Zallinger gehört ebenfalls seit 2011 dem Stab an. "Wir müssen erkennen, was jeder braucht, um den größtmöglichen gemeinsamen Erfolg zu erzielen. Die Spieler werden nicht im Training, sondern in der Regenrationsphase besser." Der Hund, sagt der Oberösterreicher, liege im Detail begraben: "Wie übersteht einer Reisestrapazen? Kann er gut einschlafen?"

Eggenhofer vergleicht Marc Janko und Co mit ganz gewöhnlichen Patienten. "Man muss zunächst eine Vertrauensbasis schaffen." Die Verletzungen der Fußballer sind im Laufe der vergangenen 25 Jahre unverändert geblieben. Trotz des höher gewordenen Tempos, trotz der gestiegenen Zahl an Einsätzen. "60 Prozent sind Muskelverletzungen." Eggenhofer ist bestens ausgerüstet, sein Arztkoffer sind sechs Metallkisten, Ultraschallgerät inklusive. "Die Spieler kennen ihren Körper, falscher Ehrgeiz wird seltener." Ein logischerweise wesentlicher Faktor ist die richtige Ernährung. Spätestens eineinhalb Stunden nach einem Match sollte der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt sein. Das heißt: viel essen. "Ein leerer Speicher füllt sich leichter."

Eggenhofer, der Teamchef Marcel Koller "einen Kommunikationskünstler, der zuhören kann" nennt, spart sich Prognosen. "Dafür fehlt mir das Gefühl." Ruttensteiner zitierte Kanzler Christian Kern: "Die größte Bremse in der Wirtschaft ist die schlechte Laune. Das gilt auch für den Fußball. Wir sind bestens gelaunt."

Der Greenkeeper in Mallemort soll diesen Zustand bewahren. Am 8. Juni ist Ankunft. Bis dahin hat er Zeit. (Christian Hackl, 27.5.2016)

  • Zallinger: der Wissenschafter, dem die Spieler vertrauen.
    apa/schlager

    Zallinger: der Wissenschafter, dem die Spieler vertrauen.

  • Eggenhofer: der Arzt, dem sie vertrauen.
    apa/schlager

    Eggenhofer: der Arzt, dem sie vertrauen.

  • Koller: der Trainer.
    foto: apa/jäger

    Koller: der Trainer.

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