Gastarbeiter auf der Wissensbrücke

26. Mai 2016, 14:47
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Ausstellung auf Salzburger Makartsteg 50 Jahre nach Anwerbeabkommen mit Jugoslawien

Salzburg – 1966 wurden Migranten in Salzburg noch angeworben, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Nun widmet sich auf dem Makartsteg, wo mehrheitlich Touristen dahinschlendern oder verliebte Pärchen ihre Liebesschlösser anbringen, eine Ausstellung dem 50-jährigen Jubiläum des Anwerbeabkommens mit Jugoslawien.

Krieg und Auswanderung hatten bis in die 1960er-Jahre in Österreich zu einem Bevölkerungsverlust geführt, der damalige Wirtschaftsboom verschärfte den Arbeitskräftemangel. Mit dem Anwerbeabkommen sollten so genannte Gastarbeiter ins Land geholt werden, mit zeitlich befristeten Arbeitsbewilligungen, um sicherzustellen, dass die Menschen wieder zurückkehrten. Doch viele von ihnen blieben und gründeten Familien. Bis 1973 stieg die Anzahl der Arbeitskräfte aus Jugoslawien in Salzburg auf rund 20.000.

Die Arbeitsmigration und die Lebenswelten der sogenannten Gastarbeiter zwischen 1960 bis 1980 stehen im Mittelpunkt der Ausstellung auf der Salzachbrücke. Auf Schautafeln werden neben offiziellen Dokumenten auch private Fotos von den Arbeitsmigranten gezeigt, die das Erwerbs- und Alltagsleben der Migranten illustrieren.

Diese arbeiteten in Baufirmen, im Gewerbe oder Tourismus. Ihr Arbeitsalltag war von schwere Tätigkeiten, geringem Einkommen und zahlreichen Überstunden geprägt. An den Wochenenden fuhren viele in die Heimat zu ihren Familien. Ihre Freizeit verbrachten sie in jugoslawischen Kultur- und Sportvereinen.

Sprung in Selbstständigkeit

Viele Migranten wagten nach Jahren auch den Sprung in die Selbstständigkeit, eröffneten Geschäfte, Restaurants oder Imbissbuden. Damit trugen sie zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Salzburgs bei.

Die Wissensbrücke auf dem Makartsteg, die unter dem Motto "Kommen – Gehen – Bleiben" steht, wurde von der Universität und dem Stadtarchiv Salzburg gestaltet. Zu sehen sind die Tafeln bis Ende August. Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsjahres 2016. (Stefanie Ruep, 26.5.2016)

  • Schautafeln informieren über die Arbeitsmigranten der 1960er.
    foto: stadtarchiv

    Schautafeln informieren über die Arbeitsmigranten der 1960er.

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