Cselley-Mühle: Allerweil offen und manchmal halt zua

27. Mai 2016, 07:00
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Die Cselley-Mühle, Kindergarten so mancher Musikanten und Kabarettisten, feiert am Samstag ihren 40. Geburtstag

Oslip/Uzlop – Das Jahr 1976 – oft wird das gesagt, nicht nur von den alten Haudegen und Haudeginnen – war Österreichs 1968. In Wien ist damals ja nicht nur die Reichsbrücke eingestürzt, sondern auch das Betonwerk namens Rathauskultur. Erst aus der besetzten Arena wuchs das bunte Stadtleben, das Wien dann allmählich das Flair einer wiedererwachenden Großstadt verlieh.

Auf dem Land war's wenig wild. In Wiesen bastelte Franz Bogner unbehelligt sich und seiner Generation eine Art Woodstock am Ende der freien Welt. Und auch im kroatischen Oslip/Uzlop stand ab Mai 1976 die Welt nicht mehr still. Sondern quasi im Gegenteil: Cselley-Mühle.

Fred Sinowatz, der unterschätzteste aller Kanzler, war damals Unterrichtsminister. Und als solcher schickte er die Mü, wie sie seither weithin genannt wird, mit den legendären, das sozialdemokratische Kulturvertrauen präzise umreißenden Worten auf den Weg: "Ich weiß nicht, was ich eröffne. Aber ich eröffne es."

Kabarett-Prominenz

Am langen Wochenende feiert die Mü ihren Vierziger. Am Fronleichnamstag versammelte sich die Politprominenz, um Worte, so schon nicht zu halten, so doch zu schwingen. Am heutigen Freitag versammelt sich – Worte, wenn schon nicht schwingend, so doch, nie verlegen um solche, mit ihnen zuschlagend – Österreichs Kabarett-Prominenz, die sich hier ja jene Sporen verdiente, mit denen Rosinante in Trab gesetzt wurde und wird.

Am Samstag aber, da ist die Mü dann ganz bei sich. C'est la Mü nennt sich das Fest, das heuer zum zweiten Mal das letzte Maiwochenende belebt, weit übers kleine rot-blaue Burgenland hinaus.

Hans Bögl, Programmchef der Mü, hat das werblich als "Festival für Musik, Literatur und Kleinkunst" bezeichnet. Er widerspricht aber nicht, wenn man die Angelegenheit einen Kirtag nennt. Auf insgesamt fünf Bühnen wird musiziert (von Attwenger bis Ernst Molden), gelesen (von Vea Kaiser bis Tex Rubinowitz), gespielt (von Maschek bis Austrofred).

Heiliger Rausch

Vor allem aber wird gehockt und geredet und geschaut und gelauscht und getrunken. Das war immer schon das Eigentliche in der Mü, die so offen ist für alles: dass einer oder eine hin und wieder halt auch so zua sein kann, dass selbst ein so einschlägig Heiliger wie Hermann Nitsch dem hier beim Hocken und Reden und Schauen und Sinnieren erarbeiteten Rausch seinen Heiligkeitscharakter nie absprechen würde. H. C. Artmann, ein Diesbezüglicher auch er, hat einst nur gemeint: "Jo, es ist afoch so: I bin da z'Haus."

Wahrscheinlich ist die Mü aber bloß eine Art Mentalitätsmuseum, das die kulturelle Vorstellung der 1970er-Jahre für heute bewahrt hat: dass die sogenannte Kultur und das sogenannte Leben nicht allzu weit auseinanderklaffen mögen. Dass man also nicht nur ergriffen ist, sondern ergreift; dass man dem Ton nicht bloß lauscht, sondern ihn auch setzt.

Dritte Generation

Das hatte einst einen durchaus politischen Klang. Kreisky und sein Team – Sinowatz eben auch – nutzten den jugendlichen Kulturwillen, um den Mief der 1000 Jahre aus der heimischen Nachkriegszeit zu blasen. Unmodern ist das allerdings über all die Jahre nie geworden. Die Müllerin Eveline Lehner, eine feine Keramikerin im Übrigen, zählt mittlerweile schon beinahe die dritte Generation, die mit diesem speziellen Feeling – "grundsätzlich offen und manchmal halt zua" – groß wird. Und zwar sowohl als Konsumenten als auch als Produzenten.

Aber so genau, glaubt oder weiß Robert Schneider, ließe sich das eh nicht auseinanderhalten. Und deshalb sei die Mü halt ein Work in Progress. Sitzen und schauen nennt sich eine Veranstaltungsreihe. Schneider würde eine Erweiterung ums "deppert Reden" gefallen. Offen quasi nach allen, auch politischen, Richtungen. (Wolfgang Weisgram, 27.5.2016)

  • C‘est la Mü. Am Samstag feiert die Cselley-Mühle in Oslip/Uzlop mit einem vielfältigen Kulturkirtag ihren Vierziger. Seit 1976 versucht man hier Kultur und Leben nicht allzu weit auseinanderzuhalten.
    foto: cselley mühle /hans bögl

    C‘est la Mü. Am Samstag feiert die Cselley-Mühle in Oslip/Uzlop mit einem vielfältigen Kulturkirtag ihren Vierziger. Seit 1976 versucht man hier Kultur und Leben nicht allzu weit auseinanderzuhalten.

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