Android-Updates: Google verschärft Druck auf Hardwarehersteller

26. Mai 2016, 09:48
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Will laut Bericht seine Partner zu schnelleren Updates drängen – Führt Liste über säumige Unternehmen

Erstaunlich offen hat sich Android-Chef Hiroshi Lockheimer zuletzt zur Update-Situation rund um das mobile Betriebssystem zu Wort gemeldet. So betonte er in einem Pressegespräch auf der Entwicklerkonferenz I/O vergangene Woche, dass die derzeitige Realität auch für ihn "frustrierend" sei. Fehlende Updates seien aktuell das größte Sicherheitsproblem unter Android, betonte der Google-Manager im Nachsatz.

Richtungswechsel

Aussagen, die auch deswegen überraschend kamen, da Google in den vergangenen Jahren zu diesem Thema – aus Rücksicht auf die eigenen Partner – nur reichlich diplomatische Statements abgegeben hat. Ein aktueller Bericht von Bloomberg liefert nun ein Spur, wie es zu diesem Sinneswandel gekommen ist. Demnach scheint dem Softwarehersteller der Geduldsfaden mit den Hardwareherstellern und Provider gerissen zu sein, die neue Parole laute nun Druck auf diese auszuüben – und wenn nötig bedient man sich dabei eben auch der Öffentlichkeit.

Druck machen

Laut den Recherchen von Bloomberg versucht Google auf mehreren Wegen sowohl Zahl als auch Geschwindigkeit von Updates zu heben. So habe man mittlerweile viele Netzanbieter dazu gewinnen können, die monatlichen Sicherheitsupdates in einem beschleunigten Verfahren durchzulassen anstatt jedes Update – wie bisher oft – wochen- oder gar monatelang zu testen. Lockheimer hofft, dass man diesen beschleunigten Prozess künftig auch auf größere Updates anwenden könne. Fürs erste gehe es aber vor allem um die monatlichen Sicherheitsaktualisierungen, die Google im Gefolge des Auftauchens zahlreicher kritischer Lücken im Mediaserver Stagefright eingeführt hat.

Bewegungen

Ob dieser Plan aufgeht muss sich erst zeigen, laut Bloomberg gibt es aber durchaus frühe positive Anzeichen. Beim US-Provider Sprint betont man den Prüfprozess für größere Updates von 12 Wochen auf einige wenige Wochen reduziert zu haben. Bei Motorola setzt man sich zum Ziel statt wie bisher zwei immerhin vier Updates pro Jahr für seine Geräte auszuliefern. Noch immer keine befriedigende Situation – aber doch eine Verbesserung des Status Quo.

Mangelnde Motivation

Dass die aktuelle Situation so ist, wie sie ist, liege mittlerweile kaum mehr an Google, betont denn auch Sicherheitsforscher Joshua Drake, der die Stagefright-Lücken entdeckt hat. Beim Android-Hersteller habe sich gerade in den letzten Monaten viel getan. Viele Provider würden aber Sicherheit noch immer nicht als wichtiges Thema begreifen, und bei den Smartphone-Herstellern herrschen andere Motive vor. So sehen hier viele neue Softwareversionen auch als Lockmittel für den Verkauf neuer Geräte, wodurch der Anreiz sinkt, aktuelle Smartphones und Tablets mit Updates zu versorgen.

Public Shaming

Google will dem offenbar nun mit zunehmenden Druck begeben. So habe das Unternehmen eine Liste zusammengestellt, die detailliert ausführe, wie gut – oder eher: schlecht – sich einzelne Hardwarehersteller bei Updates schlagen. Dieses Ranking sei intern vor einigen Wochen an die Android-Partner verteilt worden. Dies mit dem Hinweis, dass man darüber nachdenke diese Liste öffentlich zu machen – ein Schritt der einige Hersteller wegen der damit verbundenen, negativen PR ins Schwitzen bringen könnte.

Vorabverfügbarkeit

Zusätzlich versucht Google die Strategien der letzten Jahre weiter zu forcieren, und das heißt: Immer mehr Komponenten über den Play Store aktualisierbar machen, damit diesbezügliche Lücken ohne Systemupdates vorgenommen werden können. Zudem haben offenbar schon jetzt einige Partner Zugriff auf das kommende Android N bekommen, damit sie ihre Geräte früher als in vergangenen Jahren auf ein Update vorbereiten können. Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings alles andere als gewiss. Bisher haben alle Bestrebungen von Google, die Hardwarehersteller früher einzubinden, wenig gefruchtet.

Vollständiger Umbau nötig?

Mike Chan, Mitgründer des Smartphone-Herstellers Nextbit und ehemaliger Android-Entwickler bei Google, sieht langfristig nur eine wirklich wirkssame Lösung: Ein grundlegendes Redesign des Betriebssystem, in dessen Zug Google die Verantwortung über die Update-Auslieferung in die Hand nimmt. Freilich wäre die technische Umsetzung eines solchen Vorhabens nur ein Teil des nötigen Aufwands. Immerhin müsste man die eigenen Partner vom Vorteil einer solchen Lösung überzeugen, und das könnte schwierig werden. Hersteller wie Samsung nehmen zum Teil tiefe Eingriffe in das Betriebssystem vor, die weit über einen angepassten Look oder zusätzliche Apps hinausgehen, und diese Macht werden sie kaum freiwillig abgeben. Auch würde ein solcher Schritt bedeuten, dass Google mehr Kontrolle über die Android-Welt erhält – was erst recht wieder Regulierungsbehörden von der EU bis Russland auf den Plan rufen könnte.

Umbauten

Fürs erste scheint sich Google einmal darauf zu konzentrieren, die eigenen Hausarbeiten zu machen, um den Update-Prozess zu erleichtern. So wird mit Android N der Update-Mechanismus von Chrome OS übernommen, wodurch das Einspielen neuer Versionen erheblich beschleunigt wird – und automatisch erfolgen kann. (Andreas Proschofsky, 26.5.2016)

  • Google versucht seine Partner zu schnelleren Updates zu drängen.
    foto: andreas proschofsky / standard

    Google versucht seine Partner zu schnelleren Updates zu drängen.

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