Pioneers Festival: Fintechs, Flüchtlinge und Mitfahrgelegenheit

25. Mai 2016, 17:34
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Bisher 220 Arbeitgeber und 1.900 Flüchtlinge auf "Refugeeswork.at"-Plattform angemeldet

Beim Wiener Start-up-Event Pioneers Festival treffen die unterschiedlichsten Gründer aufeinander, etwa aus dem Finanz- und Sozialbereich. Das österreichische Start-up Refugeeswork.at hat diese Woche mit der Online-Arbeitsvermittlung für Flüchtlinge gestartet. Bisher haben sich 220 Arbeitgeber und 1.900 Flüchtlinge angemeldet, sagte Refugeeswork.at-Gründer Dominik Beron am Rande des Festivals zur APA.

Bürokratische Hindernisse überwinden

Das Start-up versucht den Unternehmen alle bürokratischen Hindernisse rund um die Beschäftigung von Asylwerbern abzunehmen und bietet unter anderem Formulare sowie Hilfs- und Checklisten an. Ziel ist es, Unternehmen und Flüchtlinge in Österreich zu vernetzen. Die Webseite ist in Deutsch und Englisch verfügbar, Hilfstexte für Flüchtlinge gibt es auch auf Arabisch und Farsi. In den vergangen Wochen habe man noch neue Kommunikationsmöglichkeiten auf der Plattform geschaffen und Erklärvideos zur Verfügung gestellt, so der Refugeeswork.at-Gründer.

Mitfahrgelegenheiten

Auf dem Pioneers-Festival präsentierte der Gründer der Online-Mitfahrzentrale Blablacar, Frederic Mazzella, eine Studie zu Vertrauen und "Sharing Economy". Blablacar gibt es schon seit dem Jahr 2006 und ist nach eigenen Angaben die größte Plattform für Pkw-Mitfahrgelegenheiten in Europa. Im APA-Gespräch zeigte sich Mazella am österreichischen Markt interessiert. Für einen Markteintritt von Blablacar in Österreich gibt es aber noch keinen Starttermin.

Der deutsche Marktführer Mitfahrgelegenheit.de, der auch in Österreich aktiv war, stellte im März 2016 den Betrieb ein, weil die Nutzer das im Jahr 2013 eingeführte Gebührenmodell ablehnten. Blablacar hatte Mitfahrgelegenheit.de und Mitfahrzentrale.de im Jahr 2015 gekauft. Mazzella zeigte sich überzeugt, auch die deutschen Blablacar-Kunden von Servicegebühren zu überzeugen. Eine hochwertige Plattform sei gratis nicht finanzierbar, so sein Fazit. In Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Portugal und Belgien hebt Blablacar bereits eine Gebühr ein. Die Konkurrenz durch Billig-Fernbusse bekommt nicht nur die Bahn, sondern auch Blablacar zu spüren. Von den Bussen will sich das Mitfahrportal durch stabile Preise abheben. Die Preise bleiben auch in Stoßzeiten und je nach Buchungszeitpunkt stabil.

Fintechs

Großes Thema beim Pioneers-Festival waren auch wieder digitale Umwälzungen im Banken- und- Finanzsektor. Erste-Vorstand Peter Bosek warnte bei einer Diskussionsrunde davor, digitale Innovationen innerhalb einer Bank durch schwerfällige Strukturen zu verhindern. Mit "George" haben Erste Bank und Sparkassen Anfang 2015 ihr Online-Banking neu aufgesetzt. Der Bargeldtransfer-Marktführer Western Union entschied sich etwa, digitalen Mitbewerbern mit einem eigenen Start-up entgegenzutreten. "Wir haben von den Mitbewerbern gelernt", erzählte Western-Union-Mitarbeiter Khalid Fellahi bei einer anderen Pioneers-Diskussionsrunde. "Als große Organisation ist es schwer, wirklich innovativ zu sein." Der Chef des deutschen Finanzdienstleisters Wirecard, Markus Braun, wies darauf hin, die Ängste der Kunden bei digitalen Finanzdienstleistungen ernst zu nehmen. "Wenn der Nutzen groß genug ist, werden die Kunden es übernehmen." (APA, 25.5.2016)

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