Jedes Posting zählt!

Userkommentar27. Mai 2016, 08:05
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Emotionen bringen die Menschen zur Wahlurne – und in die Onlineforen. Den hohen ethischen Anforderungen, die Medien an die Politik stellen, müssen diese auch selbst gerecht werden

Spätestens seit der Stichwahl zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen wissen wir wieder, dass in der Demokratie jede Stimme zählt. Die hohe Wahlbeteiligung könnte man bei gutem Willen auch als positive Nebenwirkung der Emotionalisierung und Polarisierung der Politik interpretieren. Emotionen bringen die Menschen eben zur Wahlurne; aber leider nicht nur zur Wahlurne!

Emotionalisierung in Politik und Medien

In den Onlineforen der Medien wurden teilweise erbitterte Auseinandersetzungen geführt, und das mit beklagenswerter Irrationalität und verzweifelter Armut an Argumenten bei gleichzeitig hoher emotionaler Gereiztheit. Die Onlineabteilungen der Medien wie die des STANDARD oder der "Kronen Zeitung" leben von dieser Emotionalisierung und fördern sie, was sie nicht davon abhält, sich von Zeit zu Zeit in Leitartikeln über das Niveau der politischen Auseinandersetzung in Österreich zu beklagen, obwohl sie selbst ein Teil des Problems sind.

Dabei steht zu viel auf dem Spiel, auf jeden Fall mehr als die Bilanz des STANDARD und der "Kronen Zeitung". Es geht um unsere Demokratie. Es bleibt ja genug an emotionalem Raum über, den man bewirtschaften kann. Die kommende Fußball-Europameisterschaft mit österreichischer Beteiligung eignet sich hervorragend zur Sublimierung und zur Emotionalisierung. Die Politik eignet sich nicht dazu, denn der Preis, den wir alle letztendlich dafür zahlen müssen, ist zu hoch.

Das Schielen auf hohe Reichweiten

Die Medien und vor allem jene, die als Qualitätsmedium gelten wollen, müssen sich hier ein wenig an der Nase nehmen, ob sie selbst den hohen ethischen Anforderungen gerecht werden, die sie an die Politik zu Recht stellen.

Man muss nicht jede Überschrift so formen, dass sie maximale Aufregung erzeugt. Man muss nicht den emotionalen Gehalt einer Information herausstreichen, um nach Reaktionen zu fischen, die den "Clickstream" optimieren. Vielleicht muss man das alles nach wirtschaftlichen Überlegungen tun, aber wenn dem so ist, dann muss die Presse sich die Frage gefallen lassen, wie frei und unabhängig sie in Wirklichkeit ist. Damit sind nicht die üblichen Verflechtungen zwischen Politik, Wirtschaft und Medienlandschaft gemeint, sondern die simple Tatsache, dass das Schielen auf hohe Reichweiten und hohes Datenverkehrsvolumen genauso korrumpieren kann wie Geld. (Harald Kittler, 27.5.2016)

  • Die unmoderierte Konfrontation der Präsidentschaftskandidaten im kargen ATV-Studio: ein Gespräch ohne Erkenntnisgewinn. Auch in Onlineforen herrscht teilweise hohe emotionale Gereiztheit und eine Armut an Argumenten.
    foto: apa/hans punz

    Die unmoderierte Konfrontation der Präsidentschaftskandidaten im kargen ATV-Studio: ein Gespräch ohne Erkenntnisgewinn. Auch in Onlineforen herrscht teilweise hohe emotionale Gereiztheit und eine Armut an Argumenten.

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