Hypo-Balkanbank: Steuerzahler zahlt bei 675-Millionen-Verlust mit

25. Mai 2016, 15:36
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Heta verzichtete auf mehr als 300 Millionen Euro Kredit – "Hypo Group Alpe Adria" bekommt neuen Namen

Wien/Klagenfurt – Das Südosteuropanetzwerk der früheren Hypo Alpe Adria gehört seit Mitte 2015 dem US-Fonds Advent zusammen mit der Osteuropabank EBRD. Im ersten Geschäftsjahr unter neuen Eigentümern schloss die Bilanz mit einem Riesenverlust. Unterm Strich lag der Konzernverlust bei 675,1 Millionen Euro. 2014 waren es 97,4 Millionen Verlust gewesen. Für einen Teil des neuen Verlusts steht der heimische Steuerzahler ein.

Grund für die tiefroten Zahlen waren "Einmaleffekte" über 600 Millionen Euro – also weitere Altlastenbereinigungen, vor allem aber auch Kosten für die Zwangsumwandlung von Schweizer-Franken-Krediten in Montenegro und Kroatien. Allein die Kroatien-Tochter hatte daraus im September einen Verlust von 247,5 Mio. Euro, in der Tochter in Montenegro waren es 11 Millionen Euro Verlust, wie aus den am Mittwoch vorgelegten Zahlen hervorgeht. Die Banken vor Ort haben gegen diese Frankenkreditumschuldungszwänge berufen.

Zur Abgeltung der (Franken-)Verluste im Konzern buchte die bis in den Sommer weiterhin noch als "Hypo Group Alpe Adria" firmierende Südosteuropabank heuer am 10. März eine Kapitalerhöhung von 265 Millionen Euro ein. Auch Ergänzungskapital von 60 Millionen Euro kam dazu.

Frisches Kapital wurde dafür aber nicht gezeichnet. Vielmehr trat der österreichische Steuerzahler sein Erbe für die Frankenkreditprobleme der ehemaligen Hypo Alpe Adria am Balkan an – so wie es im Kaufvertrag vereinbart worden war (DER STANDARD berichtete). Im Detail verzichtete die staatliche Bad Bank Heta, die aktuell noch mehr als 1,27 Milliarden Euro an Krediten in der ehemaligen Südosteuropatochter stecken hat, dazu auf Forderungen über 325 Millionen Euro.

Vorstandschef Ulrich Kissing erwartet, dass die verbliebenen Kredittranchen bzw. Kreditlinien an die Österreicher vereinbarungsgemäß rückgeführt werden. "Momentan" gehe er jedenfalls davon aus, sagte er vor Journalisten in Wien. Einen Verlust wird es auch 2016 geben, 2017 soll der Break-even gelingen.

Faule Assets

Im heurigen ersten Quartal hat die Südosteuropabank unter ihren neuen Eignern auch ein Paket fauler Assets über 223 Mio. Euro an die früheren Eigentümer rückübertragen – also an die Heta. Mit der Rückgabe an notleidenden Krediten an die Verkäufer sei man jetzt fertig, hieß es am Mittwoch.

Die Bilanz ist 2015 schon gestrafft worden. Ende 2015 lag die Bilanzsumme bei 7,4 Milliarden Euro, in 235 Filialen in fünf Ländern arbeiten 3.756 Mitarbeiter, davon 179 in Österreich. In Wien sitzt die Holding für die ganze Gruppe. Überall wird gespart, man rechnet sich aber auch deutliches Wachstum in Südosteuropa aus. Im Neugeschäft werden schon Zuwächse gemeldet.

Überlegt wird, auch in Österreich und Deutschland Einlagen einzusammeln, allenfalls via Direktbank. Der österreichischen Einlagensicherung unterliegt man ja. Ein Wiedereinstieg ins österreichische Retailgeschäft sei das aber nicht, wurde betont.

Im dritten Quartal – voraussichtlich im Juli – wird sich die Gruppe einen neuen Namen geben, von einem "Rebranding" ist die Rede, in der Erwartung eines unbelasteten Neustarts. Bestätigt wird, dass in den Banken in Südosteuropa dem Namen "Hypo" niemand nachweint. Zu sehr erinnerte er an die Vergangenheit. Außerdem muss die Balkanbankengruppe den Namen Hypo Group Alpe Adria ohnedies abgeben, das steht in den Verträgen mit Österreich. Ihr neues Hauptquartier hat sie jetzt in Wien. Klagenfurt ist nicht mehr die Konzernzentrale. (APA, 25.5.2016)

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