Album der Woche: LUH "Spiritual Songs for Lovers to Sing"

27. Mai 2016, 10:21
posten

Das Duo LUH ehrt mit poppigen Hymnen den Weltekel

Ellery Roberts ist gerade einmal Mitte 20 und befindet sich von seinem Protestpotenzial her gesehen in der Form seines Lebens. Er singt mit Reibeisenstimme: "To the powers of hope / To the powers that be / You’ve fucked up this world but you won’t fuck with me!" Oder auch: "And we all know that it’s bullshit / They say it’s just life, and we live it."

luh

Roberts war früher Frontmann der britischen Band WU LYF, die sich nach nur einem schon damals erfolglos gegen den Zustand der Welt anrennenden Album auflöste. Aber man darf bekanntlich niemals aufhören, nur weil man keine Chance hat. Gemeinsam mit Videokünstlerin Ebony Hoorn hat er das Projekt LUH (Lost Under Heaven) gegründet. Mit Spiritual Songs for Lovers to Sing ist Roberts nicht gerade auf die Liebe als größte Kraft, die alles schafft, umgeschwenkt. Das beim renommierten britischen Label Mute erschienene Debüt führt im Wesentlichen alte Stärken (und eingestandene Schwächen) weiter. Niemand gibt uns eine Chance, keiner hat eine Chance, aber nutzen wir sie. Produziert hat diese "spirituellen Lieder" der zuletzt für Björk tätige britische Düstermann und Horror-Bassexperte The Haxan Cloak.

Das Album mag in seinen Popstrukturen mit der Tendenz zur Wall of Sound der 1960er-Jahre und dem Drängen zum überlebensgroßen Finale mit Engelschören zwar oberflächlich klassisch klingen. Aber neben den harten Textinhalten zu lieblichen Melodien fallen die Untertöne teilweise sehr bedrohlich aus. Wir hören Loblieder auf die Paranoia, Hymnen auf die Vergeblichkeit, Präambeln der Verbitterung. LUH verpacken ihren Weltekel in durchaus radiokompatible Musik. Allerdings sollte man sich nicht schrecken, wenn dazwischen einmal ein Dämon im Refrain mitsingt. (schach, Rondo, 27.5.2016)

LUH "Spiritual Songs for Lovers to Sing" (Mute)

Share if you care.