Missbrauchsprozess: Der "Opa", das junge Trio und eine Zwölfjährige

25. Mai 2016, 14:34
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Drei Burschen sollen 2014 eine Zwölfjährige, die damit einverstanden war, mehrmals missbraucht haben. Auch ein 70-Jähriger machte mit

Wien – Es ist eine traurige Geschichte, über die der Schöffensenat unter Vorsitz von Beate Matschnig verhandeln muss. Drei junge Männer, damals 15 bis 17 Jahre alt, sitzen vor ihr, da ihnen der schwere sexuelle Missbrauch einer Zwölfjährigen vorgeworfen wird, die freiwillig mit den Burschen Sex hatte.

Das Kind leidet an einer erheblichen Entwicklungsstörung, hat eine problematische Kindheit und ist immer wieder in Wohngemeinschaften untergebracht. "Sie will den fehlenden Rückhalt durch körperliche Nähe ausgleichen", meint die Staatsanwältin. Geistig ist sie also noch eine Volksschülerin, körperlich gleicht sie dagegen eher einer 16- bis 17-Jährigen.

Erhebliche Intelligenzminderung

Sie ist nicht die einzige mit mentalen Problemen. Dem Zweitangeklagten attestierte eine Gerichtspsychiaterin eine erhebliche Intelligenzminderung – die sich schon bei der Belehrung zeigt. Matschnig erklärt dem Trio, dass ein Geständnis der wesentlichste Milderungsgrund ist. "Sie schauen mich fassungslos an", sagt sie dann zu dem 19-Jährigen. "Haben Sie mich verstanden?" – "Ja." – "Na dann erklären Sie mir, was ich gesagt habe." – "Äh, können Sie es bitte wiederholen?", murmelt der Teenager.

Der Erstangeklagte, sein Cousin, ist glücklicherweise patenter und kann erzählen, was passiert ist. Er bekennt sich ebenso wie die anderen beiden schuldig.

Im Oktober 2014 war er 15 Jahre alt und lernte das Opfer über Facebook kennen. Man schrieb einander und telefonierte, immer wieder drehte es sich um Sex. "Sie hat gesagt, sie will einmal Pornostar werden", erzählt er.

Opfer wurde mit Taxi chauffiert

Wie alt sie war, habe er damals nicht gewusst, ihre Angaben schwankten zwischen 13 und 22 Jahren. Schließlich vereinbarte man ein Treffen in einem Park, der Zweitangeklagte kam mit. "Sie ist mit dem Taxi gekommen, das haben wir bezahlt." – "Mit dem Taxi?", wundert sich Matschnig. "Ja, ich glaube, sie will nicht U-Bahn fahren."

Im Park kam es dann erstmals zum Geschlechtsverkehr, das Mädchen hatte mit beiden Männern gleichzeitig Sex. Danach fuhr man in die Wohnung des Erstangeklagten, wo sich das Spiel wiederholte. "Danach haben wir ihr wieder ein Taxi gezahlt."

Bei einer anderen Gelegenheit war das Kind mit mehreren Burschen fort. "Warum habt Ihr derartig viel Geld?", fragt die Vorsitzende. "Von den Eltern", lautet die Antwort. Als der 17-jährige Drittangeklagte offenbart, dass er 300 Euro Taschengeld im Monat bekommt, ist Matschnig fassungslos. Beim zweiten Mal kam es zum Geschlechtsverkehr mit allen drei Angeklagten.

70-jähriger Nachbar involviert

Beim dritten Mal kommt der "Opa" ins Spiel. Der ist ein Nachbar des Erstangeklagten und war damals 70 Jahre alt. "Ich habe ihm die Geschichte erzählt, und er hat mir angeboten, dass wir auch zu ihm kommen können, damit wir uns im Park nicht den Arsch abfrieren."

Der Pensionist handelte natürlich nicht uneigennützig – in seiner Wohnung wurden Kinderpornos gefunden, und als es schließlich zu dem Besuch kam, verging auch er sich an dem Kind. Der Grund, warum er nicht auch auf der Bank sitzt, ist seine Demenz, die ihn verhandlungsunfähig macht.

Das Mädchen hat immer betont, mit den Burschen freiwillig geschlafen zu haben. In den Zweitangeklagten sei sie sogar verliebt gewesen. Nur: "Das mit dem Opa, das ist peinlich, das wollte ich nicht."

Die Anklägerin wendet sich am Ende mit einem eindringlichen Appell an das Trio: "Sie können nicht einfach die Sachen nachmachen, die Sie in Pornofilmen sehen!"

Die nicht rechtskräftige Entscheidung des Senats: Sechs Monate und vier Monate bedingt für die ersten beiden, dazu müssen sie Therapien machen und bekommen Bewährungshilfe. Der Drittangeklagte kommt mit einem Schuldspruch ohne Strafe davon. (Michael Möseneder, 25.5.2016)

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