Probebetrieb von E-Medikation in Bezirk Deutschlandsberg gestartet

25. Mai 2016, 13:34
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Rund 30 Vertragsärzte, acht von neun Apotheken, Spital und Pflegeeinrichtung sind beim Testlauf bis Ende September dabei

Wien/Graz/Deutschlandsberg – Der Probebetrieb der E-Medikation ist am Mittwoch im weststeirischen Bezirk Deutschlandsberg gestartet. Rund die Hälfte der 57 Vertragsärzte, 8 Apotheken, ein Landeskrankenhaus und eine Langzeitpflegeeinrichtung nehmen an dieser erweiterten Funktion der Gesundheitsakte ELGA teil, wie am Mittwoch im Pressegespräch erklärt wurde. Der Testbetrieb soll bis Ende September laufen.

Unzureichende Informationen über den aktuellen Stand der Medikation von Patienten können zu Mehrfachverordnungen oder unter Umständen auch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamente führen. Die E-Medikation soll hier Abhilfe schaffen. Sie ist eine Datenbank, in der von Ärzten verordnete bzw. von Apotheken abgegebene Medikamente und wechselwirkungsrelevante, nichtrezeptpflichtige Arzneimittel für ein Jahr gespeichert werden, schilderte Volker Schörghofer, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger und Projektleiter. Die behandelnden Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser können dann auf die Daten zugreifen. Schlüssel dazu ist die E-Card, auf der selbst jedoch keine Medikationsdaten gespeichert sind, wie Schörghofer betonte.

Bis 2017 in ganz Österreich

Im Bezirk Deutschlandsberg ist bei den ersten Ärzten der Probebetrieb angelaufen. In der weststeirischen Region leben rund 60.000 Menschen, es gibt 57 Kassenärzte, etwa 20 Wahlärzte und neun Apotheken. Rund 30 Vertragsärzte und acht Apotheken haben sich laut Schörghofer zur Teilnahme am Probebetrieb bereit erklärt. Das LKH Deutschlandsberg und ein Pflegeheim der Volkshilfe Deutschlandsberg sind in den Testbetrieb ebenfalls integriert. Nach der Probephase, die im Bezirk bis Ende September dauert, sollte das System dann in der gesamten Steiermark in den Vollbetrieb gehen. "Wir arbeiten noch am Rollout-Plan. Ziel ist es, dass die E-Medikation bis Ende 2017 in ganz Österreich umgesetzt ist", blickte Schörghofer in die Zukunft.

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) zeigte sich stolz auf die Vorreiterrolle der Steiermark: "Wir haben bei der Einführung von ELGA Ende 2015 Pionierarbeit geleistet. Die E-Medikation könnte sich als weiterer Schritt, was Qualität, Sicherheit und Verlässlichkeit in der Patientenversorgung anbelangt, herausstellen". Die E-Medikation sei "einfach der logische Weg nach Einführung der E-Card", hielt Verena Nussbaum, Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse fest.

Behandlungssicherheit erhöhen

Die Verschreibung von Medikamenten mit E-Medikation könne unerwünschte Arzneimittelinteraktionen verhindern und die Behandlungssicherheit fördern, betonte Gerald Strohmeier, Allgemeinmediziner aus dem weststeirischen Groß. St. Florian. Als vorteilhaft beurteilte er das System vor allem, wenn Patienten im Bereitschaftsdienst betreut würden. Er befürchte allerdings auch, dass es durch das neue System zu einer Steigerung des Arbeitsaufwandes für die Mediziner kommen könnte: "Wir müssen schauen, wie praxistauglich die E-Medikation ist und wie sie sich im Ordinationsalltag bewährt", sagte der Mediziner.

Apotheker werden mit Hilfe der E-Card des Patienten für zwei Stunden berechtigt, die Daten einzusehen. Wenn der Apotheker nur den Einblick auf die per Rezept neu verordneten Arzneimittel erhalten und in der E-Medikation als abgegeben speichern soll, reicht das einscannen des Codes, der auf dem Rezept aufgedruckt ist. Angelika Bischof, Apothekerin aus Stainz (Bezirk Deutschlandsberg) hielt es für besonders wichtig, dass sich Patienten auch die rezeptfreien Medikamente in ihre E-Medikationsliste eintragen lassen, da sie ebenfalls Wechselwirkungen verursachen können.

Finanzierung offen

Die Ärztekammer hat am Mittwoch darauf aufmerksam gemacht, dass bei der E-Medikation noch Fragen der Benutzerfreundlichkeit und der Finanzierung offen seien: "Da es sich bei ELGA und E-Medikation um ein öffentliches Infrastrukturprojekt handelt, ist auch die Finanzierung der Investition, des Betriebes und des Zeitaufwandes durch die öffentliche Hand aufzubringen", forderte die Ärztekammer.

Eine gewissenhafte Auswertung des Probebetriebs hält der Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart, für unverzichtbar. Die aus der Evaluierung gewonnenen Schlüsse müssten in klare Handlungsanleitungen münden. "Die Österreichische Ärztekammer wird den Prozess genau beobachten und den Erfahrungsaustausch mit allen beteiligten Partnern suchen", kündigte Steinhart in einer Aussendung an. Der Ärztekammer-Vizepräsident beharrte auch auf einer optimalen Datensicherheit und drängte auf eine ausreichende Benutzerfreundlichkeit für die Ärzte, um deren Aufwand so gering wie möglich zu halten.

Die Obfrau des ÖVP-Seniorenbundes, Ingrid Korosec, lobte die Vorreiterrolle der Steiermark mit dem Probebetrieb zur E-Medikation und forderte die Verantwortlichen in allen anderen Bundesländern auf, möglichst rasch ELGA und E-Medikation flächendeckend umzusetzen. "Es geht um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten", so Korosec in einer Aussendung. (APA, 25.5.2016)

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