"Solar Impulse 2": 13. Etappe nach Startpanne absolviert

26. Mai 2016, 11:44
3 Postings

Aufblasbarer Unterstand war über dem Solarflugzeug zusammengefallen – danach lief alles glatt

Dayton – Ein Zwischenfall mit dem mobilen Hangar des "Solar Impulse 2"-Teams in Dayton im US-Staat Ohio hatte den Start der 13. Weltumrundung-Etappe des Schweizer Sonnenfliegers verzögert. Am Montag war der aufblasbare Schutzhangar (Video vom Aufbau des Hangars) aufgrund einer kurzzeitigen Fehlfunktion über dem Solarflugzeug zusammengesunken. Das Pumpsystem konnte zwar binnen 2 Minuten neu gestartet werden, doch das Material war bereits mit den empfindlichen Solarpanelen an der Oberseite des Flugzeugs in Berührung gekommen. Eine sofortige Inspektion ergab glücklicherweise keine sichtbaren Schäden.

Der Start erfolgte schließlich Mittwochfrüh um kurz nach 4.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ). Und der Rest der Etappe lief glatt: Gesteuert vom Abenteurer und Wissenschafter Bertrand Piccard, landete das Solarflugzeug nach 17 Stunden Flug am Mittwochabend in Lehigh Valley im US-Staat Pennsylvania. Als nächstes Etappenziel steht New York auf dem Flugplan. Danach geht es über den Atlantik.

Hintergrund

Piccard will mit der geplanten Weltumrundung für die Nutzung sauberer Energieträger werben. Mehr als 17.000 Solarzellen auf den Tragflächen liefern die Energie für die Motoren der einsitzigen Karbonfaser-Maschine. Die "Solar Impulse 2" mit einer Spannweite von 72 Metern war erstmals im März 2015 im Golf-Emirat Abu Dhabi abgehoben und über Indien und China nach Hawaii geflogen. Wegen eines Batterieschadens musste das Team auf der Pazifikinsel neun Monate pausieren.

Seine Flügelspannweite ist mit 72 Metern größer als bei einem Jumbojet – dennoch wiegt der Sonnenflieger dank Leichtbauweise mit 2,3 Tonnen gerade so viel wie ein Mittelklasse-Auto. Angetrieben wird das Experimentalflugzeug aus Karbonfasern von vier Elektromotoren mit einer maximalen Leistung von je 15 Kilowatt.

Die Technik

Die Energie wird mit Hilfe von 17.248 äußerst dünnen Solarzellen auf den Riesenflügeln der Sonne "abgezapft" und in Lithium-Batterien gespeichert. Das Cockpit des Ein-Personen-Fliegers ist mit 3,8 Kubikmeter geradezu winzig, verfügt aber immerhin über eine Toilette, einen einfachen Autopiloten und einen Businessclass-Sitz, der in ein Bett verwandelt werden kann. Zudem messen Apparate ständig den Neigungswinkel der Maschine sowie das Aufmerksamkeitsniveau des Piloten und geben notfalls Alarm.

Das ist auch nötig, denn wegen der nur geringen Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern bei einer maximalen Flughöhe von 8500 Metern dauert die Überquerung der Ozeane jeweils mehrere Tage. Das fordert dem Piloten eine enorme Leistung ab. Aber es zeigt auch, dass der Sonnenflieger etwas kann, was für herkömmliche Flugzeuge schwer vorstellbar ist: Si2 soll mit gespeicherter Sonnenenergie bis zu fünf Tage und Nächte in der Luft bleiben. (red, APA, 26.5.2016)

  • Bei der späten Landung in Pennsylvania schwebte das Solarflugzeug einmal mehr im Stil des Batplane ein.
    foto: reuters/christophe chammartin/solar impulse 2

    Bei der späten Landung in Pennsylvania schwebte das Solarflugzeug einmal mehr im Stil des Batplane ein.

  • Die Solar Impuls 2 im aufblasbaren Hangar. Durch eine technische Panne war am Montag die Konstruktion über dem Flugzeug zusammengesackt.
    screenshot: solar impulse 2

    Die Solar Impuls 2 im aufblasbaren Hangar. Durch eine technische Panne war am Montag die Konstruktion über dem Flugzeug zusammengesackt.

Share if you care.